Bei zwei Anschlägen in der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens 38 Menschen getötet worden. Zudem gebe es über 160 Verletzte, sagte Innenminister Süleyman Soylu am Sonntag. Zehn Personen wurden festgenommen.

Ein Ableger der in der Türkei verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK hat sich zu den Anschlägen nahe dem Fussballstadion von Besiktas Istanbul bekannt. Die Extremistengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) erklärte am Sonntag auf ihrer Homepage, sie stehe hinter dem Doppelanschlag.

Zwei ihrer Mitglieder seien dabei getötet worden. Nach Angaben der Behörden war am Samstagabend etwa zwei Stunden nach Abpfiff eines Erstligaspiels zunächst eine Autobombe explodiert. Kurz darauf habe sich ein Selbstmordattentäter in einer gegenüber dem Stadion gelegenen Grünanlage in die Luft gesprengt. Unter den Toten sind nach Angaben der Behörden 30 Polizisten.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Tat nach Angaben der staatlichen Agentur Anadolu aufs Schärfste. Auch der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge. "Wir stehen der Türkei zur Seite, unserem NATO-Verbündeten, gegen alle Terroristen, die die Türkei, die USA und den Weltfrieden und die Stabilität bedrohen", sagte Sicherheitsrats-Sprecher Ned Price in Washington.

Aussenminister Didier Burkhalter habe seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu ein Kondolenz- und Freundschaftsschreiben zukommen lassen, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Zwei Explosionen innerhalb einer Minute

Auf Bildern vom Tatort im Stadtteil Besiktas waren die Leichen von Polizisten und Leichensäcke zu sehen. Den Angaben zufolge wurden zwei Bomben innerhalb weniger als einer Minute vor dem Fussballstadion gezündet. Man gehe von einem Autobombenanschlag auf die Sondereinsatzpolizei aus, sagte der Innenminister nach Angaben des Senders CNN Türk.

Etwa anderthalb Stunden vor der ersten Explosion endete das Spiel zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor. Soylu sagte weiter, die Bombe sei explodiert, nachdem sich die Zuschauer zerstreut hatten. Unter den Toten seien mindestens 38 Polizisten und zwei Zivilisten.

Viel Polizei wegen Hochrisikospiel

Das Match zwischen den verfeindeten Mannschaften galt als Hochrisikospiel, bei dem die Polizei Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen verhindern sollte. Ein Reporter sagte dem Sender CNN Türk, an diesem Samstagabend seien besonders viele Polizisten zur Absicherung des Spiels im Einsatz gewesen, weil es in der Vergangenheit Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fangruppen gegeben hatte. Die Fans von Bursaspor seien wegen einer Strafe überhaupt das erste Mal seit Jahren wieder zu einem Besiktas-Spiel zugelassen worden.

Bei der zweiten Explosion in der Nähe des Parks Macka soll ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz gezündet haben, erklärte Innenminister Soylu. Der Park liegt ebenfalls im Viertel Besiktas.

Beliebtes Ausgehviertel

Auf Fernsehbildern waren in der Nacht Rettungswagen zu sehen, die zur Unfallstelle rasten. Mehrere zerstörte Autos wurden gezeigt, darunter ein Minibus und ein von der Explosion getroffener Wasserwerfer. Die Explosionen waren mehrere Kilometer weit zu hören. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel und am Wochenende sehr belebt. Zunächst wurde von den Behörden eine Nachrichtensperre verhängt, die sich aber nicht auf öffentliche Verlautbarungen bezieht.

Die Behörden sprengten in der Nacht zum Sonntag ein verdächtiges Fahrzeug. Dies sei in der Nähe des Besiktas-Fussballstadions erfolgt.

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder deren Splittergruppe TAK verüben in der Türkei immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. Die türkische Regierung macht aber auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für zahlreiche Attentate im Land verantwortlich.

Bodenoffensive in Syrien

Die türkische Armee und syrische Rebellen waren am Vortag nach heftigen Kämpfen in die syrische IS-Bastion Al-Bab vorgedrungen. Die Stadt unweit der Grenze zur Türkei ist die letzte IS-Hochburg in der nordsyrischen Provinz Aleppo. Türkische Jets hätten den Angriff aus der Luft unterstützt, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Türkei hatte im August eine Bodenoffensive in Syrien begonnen, mit der sie Rebellen unterstützt. Seitdem haben die Verbündeten im Zuge der Operation "Schutzschild Euphrat" den IS bereits von der türkisch-syrischen Grenze verdrängt. Die Türkei bekämpft in Nordsyrien zugleich die Kurdenmiliz YPG, die eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist.