EU-Afrika-Gipfel

Militär-Einsatz entzweit Macron und Merkel

Frankreich engagiert sich in Afrika militärisch. Für Merkel und Deutschland ist das keine Option.

Frankreich engagiert sich in Afrika militärisch. Für Merkel und Deutschland ist das keine Option.

Es ist die «andere» Front – weniger mediatisiert als der Krieg in Syrien, aber ebenso umkämpft und ohne absehbares Ende: Frankreich befindet sich im Sahara-Gebiet Malis seit 2013 im Einsatz gegen diverse Terrormilizen.

Die Milizen heissen Aqmi oder Ansar Dine. Diese Ableger von IS oder al-Kaida vereinen wohl an die 3000 Kämpfer. Die Franzosen, mit 4000 Mann vor Ort, sind besser ausgerüstet und durch Sondereinheiten (COS) sowie wüstenerprobte Fremdenlegionäre verstärkt. Auf Bitte der malischen Regierung warfen sie die Dschihadisten vor vier Jahren relativ schnell über die Grenzen nach Algerien oder Niger zurück. Doch die Gefahr ist keineswegs gebannt. Mit Luftunterstützung von acht Mirage-Kampfjets befindet sich die französische Operation «Barkhane» im Dauereinsatz.

Der Generalstab in Paris hat in den letzten Monaten schon mehrfach klargemacht, dass die französische Armee an ihre Grenzen stosse: Sie überwacht seit den Terroranschlägen von 2015 in Paris das französische Territorium; sie beteiligt sich an der Koalition in Syrien, sie sichert Konfliktzonen in anderen afrikanischen Ländern wie Kamerun oder der Zentralafrikanischen Republik; und dazu macht sie an UNO-Missionen in Somalia oder Libanon mit.

Auf dem Weg zum Gipfel

Vor dieser Ausgangslage ist Macron am Dienstag zu seiner ersten Afrikatournee gestartet. Bevor er sie im anglophonen Ghana beschliessen wird, reist er am Mittwoch an den EU-Afrika-Gipfel nach Abidjan in der Elfenbeinküste. Auch dort suchen die Franzosen mehr Rückendeckung für Barkhane. Eine militärische oder finanzielle Beteiligung kommt aber für Länder wie Deutschland nicht infrage. Sie beteiligen sich stattdessen an der Minusma und der Ausbildungsmission für malische Streitkräfte (EUTM). Letztere hat in den letzten vier Jahren immerhin 11'000 lokale Militärs trainiert – fast ein Drittel der malischen Armee.

Der französische Generalstabschef François Lecointre gab am Sonntag zu verstehen, diese Einheiten seien heute indes «nicht autonom genug», um der regionalen Gefahr durch die Dschihad-Milizen zu trotzen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will in Abidjan hingegen als Fürsprecherin von Bildungsanstrengungen in Afrika auftreten. Die unterschiedlichen Ansätze der Franzosen und Deutschen stehen sich bei dem EU-Afrika-Gipfel offen gegenüber. Dabei wären derzeit beide nötig, um dem äusserst unstabilen Westafrika mehr Sicherheit und Zukunftsperspektiven zu vermitteln.

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