Die 31-Jährige Carola Rackete hatte am Mittwoch trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert.

Auf Anweisung der Polizei musste das das Migranten-Rettungsschiff "Sea Watch 3 aber rund eine Seemeile vor dem Hafen stoppen.

Wie der italienische Staatssender RAI berichtet, entschied sich die junge Kapitänin jedoch, mitten in der Nacht auf Samstag die Blockade durchzubrechen. Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass die Zustände an Bord unerträglich geworden waren: Die 40 Migranten waren seit ihrer Rettung am 12. Juni auf dem Schiff. 

Carola Rackete

     

Es gab nicht mehr genug Wasser, niemand habe mehr duschen können, überall hätten sich Abfallberge getürmt. Die Sorge um die psychische Verfassung der Migranten soll zuletzt so gross gewesen sein, dass die Crewmitglieder befürchteten, manche Migranten könnten sich das Leben nehmen.  

Video der Kapitänin auf Twitter: 

Kapitänin nach Landung verhaftet

Das Manöver erwies sich als nicht ungefährlich, wie der Tages Anzeiger schreibt. Ein Motorboot der italienischen Zoll- und Steuerpolizei hat versucht, das Rettungsschiff abzudrängen und zu stoppen. Es wurde vom Rettungsschiff gerammt. Deshalb wirft der italienische Innenminister Matteo Salvini Carola Rackete "kriminelles Verhalten" vor.

Sie habe das Leben von Zollpolizisten aufs Spiel gesetzt. Der Zusammenstoss mit der "Sea-Watch 3" sei nur knapp abgewendet worden.Das Motorboot wurde leicht beschädigt, berichteten italienische Medien.

Matteo Salvini postete ein Video, in welcher er der Kapitänin von "Sea Watch 3" "kriminelles Verhalten" vorwirft: 

Die Flüchtlinge stiegen in Fahrzeuge ein, die sie zum Flüchtlingslager brachten. Vor der Landung umarmten sie die Crewmitglieder des Rettungsschiffes der deutschen NGO Sea-Watch, mit denen sie 16 Tage lang an Bord verbrachten. An Bord des Schiffes ging die Polizei, die die "Sea-Watch 3" beschlagnahmte und Carola Rackete festnahm.

Die Landung der Sea Watch in der Nacht auf Samstag.

 Die Landung der Sea Watch in der Nacht auf Samstag. 

Am Freitag hatte die italienische Staatsanwaltschaft bereits gegen Rackete Ermittlungen eingeleitet. Vorgeworfen werden ihr unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts. Ihr drohen bis zu 15 Jahren Haft. Die Deutsche soll jetzt nach Sizilien gebracht werden. Sie soll in der Stadt Agrigent inhaftiert werden. Laut italienischen Medien könnte es zu einem Schnellverfahren kommen.

Kritik und Lob

Aktivisten von Menschenrechtsorganisationen feierten im Hafen von Lampedusa die Landung der Migranten. Eine Gruppe von Anrainern beschimpften die Crewmitglieder der "Sea-Watch 3". Parlamentarier der oppositionellen Demokratischen Partei (PD) attackierten die italienische Regierung, die dem Rettungsschiff mehr als zwei Wochen verweigert hatten, in einen Hafen einzulaufen.

"Rackete hat dies alles getan, während Parlamentarier der Opposition, darunter Ex-Verkehrsminister Graziano Delrio, an Bord des Schiffes waren. Unglaublich", kommentierte der rechte Politiker Salvini laut Medienangaben.

Das Schiff rammte ein Zollboot der italienischen Behörde, das versuchte, es von der Landung abzuhalten.

Das Schiff rammte ein Zollboot der italienischen Behörde, das versuchte, es von der Landung abzuhalten.

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Kapitänin habe "genau das Richtige getan". Rackete habe das Seerecht eingehalten und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht.

Noch unklar ist, was im Weiteren mit den Migranten geschieht. Fünf Länder - Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Finnland und Portugal - haben sich laut Angaben des italienischen Aussenministeriums bereit erklärt, jeweils ein paar der Migranten aufzunehmen.

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen an Land gebracht worden. (jod)