Israel

«Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren»

Ariel Scharon.

Ariel Scharon.

Israel nimmt Abschied von seinem früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Sein Sarg soll von Sonntagmittag an im Parlament in Jerusalem, der Knesset, aufgebahrt werden, damit die Öffentlichkeit ihm die letzte Ehre erweisen kann.

Scharon war am Samstag nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben. Der frühere Militär und Politiker hatte nach einem Schlaganfall acht Jahre im Koma gelegen.

Am Montag ist eine offizielle Trauerfeier im Parlament vorgesehen. Dabei sind unter anderem Ansprachen von Staatspräsident Schimon Peres, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Angehörigen Scharons geplant.

Die USA sollen dabei von Vize-Präsident Joe Biden vertreten werden, wie Netanjahus Büro in der Nacht zum Sonntag mitteilte. Auch der Nahost-Gesandte Tony Blair und der russische Parlamentspräsident Sergej Naryschkin werden erwartet.

Nach der Zeremonie in der Knesset soll der Sarg zu Scharons Schaffarm in der Negev-Wüste im Süden des Landes gefahren werden. Dort ist am Montagnachmittag eine Beisetzung mit militärischen Ehren geplant.

Bestürzung in Israel

«Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren», erklärte Präsident Schimon Peres am Samstag. Er würdigte Scharon als einen der grössten Beschützer und wichtigsten Architekten Israels.

Die palästinensische Fatah-Bewegung von Präsident Mahmud Abbas erinnerte an Scharons gewaltsames Vorgehen gegen die Palästinenser. Ein führendes Mitglied würdigte jedoch zugleich das spätere Bestreben Scharons, dem palästinensischen Volk sein Land zu lassen.

Schärfere Töne kamen dagegen von der islamisch-fundamentalistischen Palästinenserorganisation Hamas. "Scharon ist ein Krimineller, und er zählte zu denen, die Unglück über das palästinensische Volk gebracht haben", erklärte Hamas-Sprecher Salah al-Bardawil in Gaza.

Weltweiter Respekt

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte den "politischen Mut" Scharons. US-Präsident Barack Obama erklärte, Scharon habe "sein Leben ganz dem Staat Israel gewidmet". Der britische Premierminister David Cameron sagte: "Als Premierminister hat Scharon tapfere und kontroverse Entscheidungen getroffen, um nach Frieden zu streben."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Scharon einen israelischen Patrioten, der sich grosse Verdienste um sein Land erworben habe. Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete Sharon als "wichtigen Akteur in der Geschichte" Israels. Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete ihn als Verteidiger seines Volkes.

Die Schweiz würdigte Scharon als eine Persönlichkeit, die ihre Spuren in der Geschichte ihres Landes hinterlassen habe.

Nach Ansicht des Schweizer Nahost-Experten Arnold Hottinger prägt Scharon die Politik in den besetzten palästinensischen Gebieten bis heute. "Scharon war ein Draufgängertyp, sehr ehrgeizig und meiner Ansicht nach ein Kriegsverbrecher."

Kritisch äusserte sich auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Es sei bedauerlich, dass sich Scharon für das Massaker an mehreren hundert Palästinensern in den Beiruter Flüchtlingslagern Sabra und Schatila 1982 niemals habe verantworten müssen, hiess es in einer Erklärung der NGO.

Rückzug aus Gaza vollzogen

Scharon war von 2001 an fünf Jahre lang Regierungschef. Der als Kriegsheld verehrte Politiker setzte 2005 den einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen durch. Nach Streit mit den alten Weggefährten verliess Scharon den von ihm mitbegründeten rechtsorientierten Likud und gründete 2005 die Partei der Mitte, Kadima.

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