Migration

Mehr Asylgesuche als von Afghanen oder Irakern: Viele Türken flüchten in die Schweiz

Nur Eritreer und Syrer stellen mehr Asylgesuche in der Schweiz als Menschen aus der Türkei. Im Bild ein Asylzentrum bei Worb im Kanton Bern. (Archiv)

Nur Eritreer und Syrer stellen mehr Asylgesuche in der Schweiz als Menschen aus der Türkei. Im Bild ein Asylzentrum bei Worb im Kanton Bern. (Archiv)

Türkische Flüchtlinge wollen in die Schweiz. Sie erreichen bald einen Rekord.

Die neusten Zahlen untermauern einen Trend, der seit dem Putschversuch 2016 anhält: Die Asylgesuche aus der Türkei haben im Juli mit 117 Menschen einen neuen Höchstwert erreicht. Mittlerweile erreichen mehr Anträge aus dem Bosporus die Schweiz als aus Afghanistan oder dem Irak. Die Türken sind damit die drittgrösste Gruppe unter den Asylsuchenden. Lediglich Flüchtlinge aus Eritrea (260) und Syrien (145) wollen öfter Asyl. Die Türkei, ein Flüchtlingsland. Das ist umso auffälliger, als dass die Gesamtzahl der Asylsuchenden tendenziell abnimmt.

Seit Jahresbeginn haben 501 Türken Asyl beantragt. Letztes Jahr waren es zum selben Zeitpunkt 457 – dabei war 2017 bereits ein Rekordjahr. 2018 dürften somit so viele Gesuche eingehen wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.

Es ist eine Flucht vor Erdogan. Die Angst im Land wächst. «Wir haben die letzte Hoffnung am 24. Juni verloren», sagt ein junger Mann aus Istanbul und spielt auf die vorgezogenen Wahlen an, die den Machthaber im Amt bestätigten. Viele Reiche hätten das Land bereits mit ihren Familien und ihrem Geld verlassen. «Wir planen ebenfalls, zu gehen.»

«Die gegen uns»

«Die Negativspirale wird anhalten», sagt auch Mustafa Atici, Kurde und Basler SP-Grossrat. Noch viele weitere würden das Land verlassen. Gemäss seiner Erfahrung, handle es sich dabei vor allem um gut gebildete, junge Menschen. «Die Türkei verliert gerade ihre Zukunft.» Die Währungskrise tue ihr Übriges. Dass sich Erdogan-Anhänger deswegen vom Präsidenten abwenden, glaubt Atici aber nicht. «Seine nationalistischen ‹Die-gegen-uns›-Aussagen wirken.» Seine Befürworter würden auch in einer Wirtschaftskrise zu Erdogan halten.

Vor dem Putsch gehörte die Türkei nicht einmal zu den zehn wichtigsten Herkunftsländern für Asylgesuche in der Schweiz. Deshalb ist auch für das Staatssekretariat für Migration klar: «Der Putschversuch in der Türkei und dessen Folgen sind ein massgeblicher Faktor für die wachsende Zahl türkischer Asylgesuche im Ausland.»

Türkische Asylsuchende haben in der Schweiz keine schlechten Chancen. Im Schnitt werden 45 Prozent als Flüchtlinge anerkannt oder zumindest vorläufig aufgenommen.

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