Irak

Mehr als 30 Tote bei Anschlagsserie im Irak

Rettungskräfte nach dem Attentat in Kirkuk im Einsatz

Rettungskräfte nach dem Attentat in Kirkuk im Einsatz

Bei einer Anschlagsserie im Irak sind am Mittwoch nach Angaben von Ärzten und Vertretern der Sicherheitskräfte mindestens 30 Menschen getötet worden. Die Angriffe im Norden des Landes sowie in der Hauptstadt Bagdad forderten ausserdem mehr als 250 Verletzte.

Allein in Kirkuk rissen zwei Selbstmordattentäter 21 Menschen mit in den Tod. Die Anschläge galten Angehörigen der kurdischen Minderheit. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden 210 Menschen verletzt, als die beiden Attentäter kurz hintereinander zwei Autobomben zündeten.

Die eine explodierte vor dem Büro der Kurdischen Demokratischen Partei (PDK) von Massud Barsani, dem Präsidenten der autonomen Kurdenregion im Norden, die andere vor einem 500 Meter davon entfernt gelegenen Gebäude der kurdischen Sicherheitskräfte.

In der Vielvölkerstadt Kirkuk schwelt seit Jahren ein Machtkampf zwischen Kurden und Arabern. Die Araber wehren sich gegen einen Plan der Kurden, Teile der Provinz dem kurdischen Autonomiegebiet zuzuschlagen, das bisher aus den Provinzen Suleimanija, Erbil und Kirkuk besteht.

Trauergäste verletzt

Weitere drei Menschen starben bei einem Anschlag vor dem Büro einer anderen kurdischen Partei in Tus Churmato. 37 Menschen wurden verwundet. Bei weiteren Anschlägen in Bagdad und Baiji starben sieben Polizisten und Soldaten.

Während der Beerdigung des Parlamentariers Eifan Saadun al-Issawi in der westirakischen Stadt Falludscha detonierte am Mittwoch ein Sprengsatz. Zwei Trauergäste wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Al-Issawi war am Dienstag in Falluja von einem Selbstmordattentäter getötet worden.

Der sunnitische Stammesführer gehörte der Al-Irakiya-Allianz an, die den schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki zum Rücktritt aufgefordert hat. Der Selbstmordanschlag ereignete sich während einer Demonstration gegen die Regierung.

Al-Maliki in der Kritik

Hintergrund der neuen Gewaltwelle sind die wachsenden Spannungen zwischen den Schiiten, die von Ministerpräsident Nuri al-Maliki repräsentiert werden, sowie den Minderheiten der Sunniten und Kurden.

Maliki liegt im Streit mit den Kurden wegen der Ölförderung in ihrem autonomen Gebiet. Ausserdem sieht er sich mit Protesten der Sunniten konfrontiert, die seinen Rücktritt fordern.

Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen Dutzende von Häftlingen freigelassen, die schon längere Zeit ohne Anklage im Gefängnis gesessen hatten. Damit kam sie einer Forderung der sunnitischen Protestbewegung nach, die seit Dezember zahlreiche Demonstrationen organisiert hat.

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