Wikileaks-Depeschen

Mafia-Pate steckte hinter Schweizer-Gasfirma

Semjon Mogilewitsch, ukrainischer Mafia-Pate.

Semjon Mogilewitsch, ukrainischer Mafia-Pate.

Hinter der Zuger Firma RosUkrEnergo verbarg sich Mafia-Pate Semjon Mogilewitsch. Das zeigt eine Depesche der US-Botschaft in der Ukraine. Die Zuger Firma bringt Gas von Russland nach Europa und macht jährliche dreistellige Millionengewinne.

Mitte 2004 gründete der Schweizer Lars Haussmann von der Zürcher Goldküste in Zug die RosUkrEnergo AG (RUE). Die RUE wickelte den gesamten Gashandel zwischen Russland und der Ukraine ab und war zudem für Teile des russischen Gasexports in die EU zuständig.

RUE gehörte offiziell zur Hälfte der russischen Gazprom, die anderen 50 Prozent der Aktien hielten anonyme Holdings.

Laut Schätzungen wickelt RUE alleine zwischen Russland und der Ukraine 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr ab. Das ist mehr als der jährliche Gasverbrauch Frankreichs. RUE setzt Milliarden um, die jährlichen Gewinne belaufen sich auf hohe dreistellige Millionensummen.

Zürcher Finanzberater schwieg lieber

Als die RUE nach wenigen Jahren weltweit die Neugierde der Presse weckte, gab sich der damalige Juniorchef der Zürcher Finanzberatungsfirma Haussmann und Partner zugeknöpft: Er wolle über die russisch-ukrainische Firma gar nichts sagen, beschied er einem Journalisten des «Tages-Anzeigers».

Seit Gründung Gerüchte über Mafia-Verbindungen

Seit der Gründung stand die RUE im Verdacht, zum Einflussbereich eines ukrainischen Mafiapaten zu gehören, der vom FBI wegen Mordes, Geldwäscherei, Erpressung und diverser weiterer Straftaten gesucht wird.

Nachdem Berichte über die dubiose RUE 2006 immer zahlreicher wurden und sich die Hinweise verdichteten, dass der ukrainische Pate Semjon Mogilewitsch bei der RUE die Finger im Spiel hat, gab sich der lange Zeit anonyme Eigentümer neben Gazprom zu erkennen: Es ist der ukrainische Industrielle Dmitrij Firtasch. Damit sollte den Gerüchten über die angeblichen Mafia-Links der Wind aus den Segeln genommen werden.

Öffentlich das Gegenteil behauptet

In der «Financial Times» behauptete Firtasch, Mogilewitsch zwar zu kennen, aber keinerlei Geschäftsbeziehungen zu ihm zu unterhalten.

Das stellt sich nun als Schwindel heraus, wie eine Depesche der US-Botschaft in der Ukraine zeigt, die durch Wikileaks unter der Nummer 08KYIV2414 veröffentlicht wurde.

Darin gesteht der Milliardär Dmitrij Firtasch im Dezember 2008 US-Botschafter William Taylor, dass die wirkliche Entscheidungsmacht hinter seinen Gas-Beteiligungen Semjon Mogilewitsch gewesen sei.

Ohne Mogilewitsch lief gar nichts

Firtasch bestand darauf, dass es zur Zeit der Privatisierungswelle Anfang der 90er-Jahre in der Ukraine nicht möglich war, Geschäfte zu machen ohne organisierte Kriminelle. Mit Mogilewitsch sei er deshalb verbunden gewesen, weil er für die Gründung etlicher Unternehmen dessen Einwilligung gebraucht habe.

In weiteren Depeschen ist die Rede davon, dass Mogilewitsch und Firtasch neben privaten Kontakten über diverse Joint-Offshore-Firmen miteinander verbunden seien. Auch nehmen sie die Dienste des gleichen Anwalts in Anspruch.

Die Depesche bei Wikileaks: 08KYIV2414

Meistgesehen

Artboard 1