Es sollte eine grosse deutsch-französische Sause werden: Am Donnerstagmorgen treffen sich die Regierungen aus Berlin und Paris zu einem «Ministerrat» im Élysée-Palast. Geleitet wird das Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron. Es werde ein «prächtiger Empfang mit militärischen Ehren», freute sich die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Doch der französische Gastgeber wird nicht ganz bei der Sache sein. Nur Minuten nach der Pressekonferenz mit Merkel hastet er zu einem Termin mit Donald Trump.

Spektakuläres Programm

Es sticht ins Auge, dass Frankreichs medien- und imagebewusster Jungpräsident dem Treffen mit dem so eigensinnigen US-Gast viel mehr Bedeutung beimisst: Das internationale Scheinwerferlicht ist ihm damit sicher, zumal das Besuchsprogramm auch abgesehen von einem längeren Zweiertreffen spektakulär ausfällt. Zuerst geht es zu Napoleons Grab im Invalidendom, abends dinieren Brigitte und Emmanuel Macron mit Melania und Donald Trump im Sterne-Lokal «Jules Verne» des Eiffelturms, über den Lichtern von Paris.

Am Freitag folgt der eigentliche Besuchsanlass: Zum französischen Nationalfeiertag des 14. Juli werden Macron und Trump gemeinsam die Militärparade abnehmen. Zum 100. Jahrestag des Eintritts der USA in den Ersten Weltkrieg werden auch amerikanische Soldaten über die Champs-Élysées defilieren. Merkel wird dann längst aus Paris abgereist sein.

Pariser Medien registrieren leicht ironisch Macrons Hang zur pompösen Inszenierung. Im Mai hatte er schon den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Schloss Versailles getroffen. Linkenchef Jean-Luc Mélenchon lehnt Trumps Präsenz am Nationalfeiertag schroff ab: «Er hat hier nichts verloren.» Élysée-Sprecher Christophe Castaner liess darauf verlauten, nicht der amerikanische Präsident werde herausgestellt, sondern sein Land, das Frankreich vor hundert Jahren mitbefreit habe. Statt das Gespräch zu verweigern, wolle Frankreich Trump «die Hand reichen und ihn in den Kreis zurückbringen».

Macron hatte den US-Präsidenten schon beim jüngsten G20-Gipfel in Hamburg geradezu umgarnt. Danach sagte er, er verliere nie die Hoffnung, die Amerikaner von ihrer isolierten Haltung in der Klimapolitik abzubringen. Der französische Politologe Dominique Moïsi pflichtet ihm bei: «Putin nach Versailles sowie Trump an den Quatorze Juillet einzuladen, zeugt von einer kohärenten Strategie: Frankreich soll seine Trümpfe ausspielen, und zwar nicht nur Pomp und verflossenen Ruhm, sondern auch den Einsatz der französischen Truppen in vielen Krisenherden.»

Trump ist beeinflussbar

Mit der Einladung an die US-Soldaten auf die Champs-Élysées bedeute Frankreich dem Gast aus Washington, dass es einmal eine Zeit gegeben habe, «als die USA gross, weltoffen und generös gewesen waren», sagt Moïsi. «Gerade weil Trump narzisstisch und unvorhersehbar ist, könnte er beeinflussbar sein.»

Der Editorialist Nicolas Domenach ortet auch ein persönliches Eigeninteresse Macrons, indem er an dessen virilen Handshake mit Trump am letzten G7-Gipfel erinnert: «Der französische Präsident hat erkannt, welchen Nutzen er daraus ziehen kann, wenn er den Vorsteher der grössten Supermacht auf dem Gebiet der demonstrativen Männlichkeit herausfordert.»

Trumps Masslosigkeit und Machismus machten ihn zu einem «perfekten Gegner und idealen Feind». So könne sich Macron nun als der überzeugte Klimaschützer präsentieren, der er gar nie gewesen sei. Und während er mit seinem Staatsgast lachend Schulterklopfen übt, überlässt er die Rolle der gestrengen Trump-Kritikerin der Kanzlerin, die am 14. Juli auf den Champs-Élysées auch nicht mit von der Partie sein darf.