"Wir schlagen heute ein neues Kapitel auf", sagte der britische Premier David Cameron in London, nachdem er gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zwei Verträge unterzeichnet hatte.

Angesichts der jahrhundertelangen Rivalität zwischen beiden Ländern sprach Sarkozy von einem "historischen Ereignis" und einer "Stufe des Vertrauens, die nie zuvor in der Geschichte erreicht wurde". "Heute gehen die Uhren in beiden Ländern gleich", scherzte der Staatschef mit Blick auf den Zeitunterschied zwischen Grossbritannien und Kontinentaleuropa.

Beide Länder blieben "souveräne Staaten, die ihre Streitkräfte unabhängig voneinander einsetzen können", versicherte Cameron. "Das ergibt Sinn in einer Welt, in der die Mittel knapp sind, aber unsere gemeinsamen Interessen immer grösser werden", begründete Verteidigungsminister Liam Fox in einem Gespräch mit dem Sender BBC die Abkommen.

Gemeinsame Atomtests

Spektakulärster Teil der Zusammenarbeit der beiden einzigen Atommächte in Europa sind die gemeinsamen Tests der Atomarsenale, die 2014 beginnen sollen. Dazu soll im ostfranzösischen Valduc eine Anlage entstehen. Das Simulationszentrum soll ergänzt werden durch die gemeinsame Nutzung eines Forschungslabors im britischen Aldermaston.

Frankreich und Grossbritannien haben sich dazu verpflichtet, keine realen Atomwaffentests mehr vorzunehmen. Sie können daher nur im Labor die Funktionsweise ihrer Atomsprengköpfe überprüfen. Ihre jeweiligen Atomgeheimpläne werden beide Länder aber nicht teilen, auch weil Briten und Franzosen mit unterschiedlichen Sprengköpfen arbeiten.

Gemeinsame Eingreiftruppe

Bereits im nächsten Jahr soll die neue gemeinsame schnelle Eingreiftruppe mit bis zu 5000 Soldaten mit ihren Übungen beginnen. Die Truppe unter englischsprachigem Kommando soll für Einsätze der NATO, der UNO und der EU verfügbar sein.

Ab 2020 wollen beide Länder ihre Flugzeugträger gemeinsam nutzen. Sowohl Frankreich als auch Grossbritannien haben jeweils einen Flugzeugträger.