Hilfe für Nepal

Logistischer Albtraum: Flughafen von Kathmandu wird zum Nadelöhr

Überfüllter Bus beim Flughafen von Kathmandu. Auch der Transport von Helfern und Material ist in Nepal eine grosse Herausforderung.

Überfüllter Bus beim Flughafen von Kathmandu. Auch der Transport von Helfern und Material ist in Nepal eine grosse Herausforderung.

Der Flughafen von Kathmandu - der einzige internationale Flughafen des Landes - erweist sich als Nadelöhr für die Hilfe aus dem Ausland.

Weil unklar war, ob ein grosses Flugzeug überhaupt landen kann, schickte die Schweiz am Sonntag lediglich ein kleines Team mit einem Rega-Jet nach Nepal.

Manuel Bessler, Chef des Korps für Humanitäre Hilfe (SKH), sprach am Montag vor den Medien in Bern von einer chaotischen Situation. Der Luftraum sei ebenso verstopft wie die Landebahn und die Parkfelder. Das kleine Schweizer Team, das in der Nacht auf Montag in Kathmandu landete, habe mehrere Stunden warten müssen, bis es überhaupt das Flugzeug verlassen konnte.

Der Engpass am Flughafen war einer der Gründe, warum Bessler nicht die Rettungskette losgeschickt hat. Es handle sich um 100 Leute mit 20 Tonnen Material. Ob diese mit einem grossen Flugzeug hätte landen können, sei ungewiss gewesen. Zudem ist unklar, ob sich die Retter wegen der Schäden an Strassen und Brücken überhaupt fortbewegen könnten.

Wenig Überlebenschancen

Und schliesslich sprach eine andere, bedrückende Erfahrung gegen den Einsatz der Retter mit ihren Suchhunden. Die Rettungskette sei nützlich in Gebieten mit Betongebäuden, wo die Verschütteten in Hohlräumen überleben könnten, erklärte Bessler. Bei Backsteinhäusern würden die Menschen unter Schutthaufen begraben.

Diese Umstände und die unübersichtliche Lage bewogen Bessler, vorerst nur ein kleines, flexibles Team nach Nepal zu schicken. Nun habe die Schweiz "Augen und Ohren" vor Ort und könne die konkreten Bedürfnisse abklären. Das Vorausdetachement umfasst neben dem Teamleader und seiner Stellvertreterin einen Arzt, einen Baustatiker, ein Wasserexpertin und einen Logistiker.

Schweizer Hilfe für Nepal: Die Logistik ist ein grosses Problem

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Botschaft beschädigt

Während die Teamleiter an den Koordinationssitzungen der UNO teilnehmen und die Wasserexpertin mögliche Einsätze für die Wasserversorgungen abklärt, kümmert sich der Baustatiker um die Schweizer Botschaft. Diese wurde beim Erdbeben beschädigt und kann derzeit nicht genutzt werden.

Der Betrieb wurde daher in Zelte in den Garten verlegt, wie Bessler berichtet. Dort sind auch die sechs Experten des Vorausdetachements sowie rund 30 Schweizer Touristinnen und Touristen untergekommen.

Weitere Flüge diese Woche

In Bern läuft derweil die Planung für weitere Einsätze auf Hochtouren. Am Mittwoch soll ein achtköpfiges Team für medizinische Hilfe mit dem Bundesrats-Jet nach Nepal geflogen werden. Dieses ist auf die Bedürfnisse von Müttern mit Kindern spezialisiert. Die Experten reisen mit wenig Material und sind auf eine minimale medizinische Infrastruktur angewiesen.

Ebenfalls noch diese Woche soll ein erster Materialtransport die Schweiz Richtung Nepal verlassen. Geplant ist nach Angaben von Bessler die Lieferung von Plastikplanen, Zelten, Decken oder Kochutensilien. Was am sinnvollsten sei, werde derzeit von den Experten vor Ort abgeklärt. Wann immer möglich werde das Material aber lokal eingekauft.

Denn das Problem der Logistik bleibt ungelöst. Selbst wenn die Hilfsgüter zu Land oder auf dem Luftweg nach Kathmandu gelangten, könnten Schäden an Verkehrswegen den Weitertransport verhindern. Kommt hinzu, dass Nepal nur zum Teil mit Strassen erschlossen ist.

Vorerst kein Militär-Einsatz

Indien habe Helikopter zugesichert, sagte Bessler. Auch China, Pakistan und die USA planten Einsätze. Ein Einsatz der Schweizer Armee ist für den Chef der humanitären Hilfe jedoch kein Thema. "Dafür ist es zu früh."

Nach Besslers angaben stehen aktuell eine Million Franken für den Schweizer Einsatz zur Verfügung. Je nach Bedürfnissen und Einsatz könne daraus aber mehr werden, sagte er.

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