Der Chef des Nationalen Übergangsrats in Libyen, Mustafa Abdel Dschalil, will im Falle einer Machtübernahme die illegale Einwanderung nach Europa bekämpfen. Der Nationalrat werde afrikanischen Flüchtlingen den Weg über Libyen nach Europa verwehren.

Der Rat werde auch Schleuserbanden bekämpfen, sagte Abdel Dschalil am Montagabend in einem Telefoninterview dem italienischen Fernsehen. Zwischen Italien und Libyen gibt es seit 2008 einen Freundschaftsvertrag, mit dem Rom Investitionen und Tripolis den Kampf gegen die illegale Einwanderung zusichert.

Der Vertrag liegt aber seit der Unterdrückung der Proteste gegen Machthaber Muammar el Gaddafi auf Eis. Gaddafi drohte bereits, «Millionen» Einwanderer nach Europa zu schicken.

Von der Küste Libyens wagten in den vergangenen Tagen wieder hunderte Flüchtlinge aus Somalia, Äthiopien und Eritrea die Überfahrt nach Europa.

Während am Montagabend rund 150 Afrikaner auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa eintrafen, erreichten auch Malta die ersten Flüchtlingsboote dieses Jahres. Aus Richtung Libyen strandeten dort am Montag 500 Menschen aus Somalia und Eritrea, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.

Angesichts der Umbrüche in der arabischen Welt trafen seit Jahresbeginn allein auf Lampedusa rund 18'500 Bootsflüchtlinge ein. Im vergangenen Jahr waren es dagegen lediglich 4000.

Auf der Mittelmeerinsel harren derzeit etwa 6000 illegale Einwanderer aus. Sie sollen bis Mittwoch an Bord von Schiffen und Flugzeugen von der Insel gebracht werden. Angesichts der zunehmenden Zahl eintreffender Flüchtlinge kommt am Mittwoch in Italien ein Ministerrat zu einer Sondersitzung zusammen.