Libyen

Libysche Revolutionäre vermuten Gaddafi in der Wüste

Muammar al-Gaddafi soll sich nahe der algerischen Grenze befinden (Archiv)

Muammar al-Gaddafi soll sich nahe der algerischen Grenze befinden (Archiv)

Der libysche Übergangsrat vermutet den gestürzten Machthaber Muammar al-Gaddafi in der Wüste bei der Oasenstadt Gadames nahe der algerischen Grenze. Er werde in dem riesigen Gebiet von Tuareg-Kämpfern geschützt, die er wohl dafür bezahle, sagte Militärsprecher Abdel-Rahman Bussin am Mittwoch in Tripolis.

Man wisse zudem, dass sich Gaddafis Sohn Seif al-Islam vor zwei Wochen in der belagerten Stadt Bani Walid aufgehalten habe. Damals fanden Verhandlungen über eine friedliche Übergabe der Stadt, einer von drei verbliebenen Gaddafi-Bastionen statt, sagte Bussin. Sie scheiterten aber und es sei nicht bekannt, wo sich Seif al-Islam Gaddafi aufhalte.

Gaddafi und seine Söhne sind Ende vergangenen Monats der Festnahme entgangen, als die Revolutionsstreitkräfte Tripolis einnahmen. Der Übergangsrat befürchtete, dass Gaddafi aus dem Untergrund heraus weiter militärische Aktionen organisieren kann.

Gaddafi-Truppen verteidigen Stellungen

Unterdessen verteidigen die Truppen des abgetauchten Ex-Machthabers ihre Stellungen in Sirte und Bani Walid unter massivem Einsatz ihrer Waffen.

Die Medien der Übergangsregierung meldeten am Mittwoch aus beiden Städten heftige Gefechte. In Sirte starben den Angaben zufolge elf Kämpfer der Truppen des Übergangsrates. In Bani Walid seien fünf Kämpfer getötet worden, hiess es.

Unter den Toten war auch ein Kommandant der Revolutionäre von Bani Walid namens Dhau al-Salihien Dschadak sowie zwei seiner Söhne. Sie seien von einer Rakete getroffen worden, hiess es.

Dschadak war nach einem fehlgeschlagenen Putschversuch 1993 zum Tode verurteilt worden. Später war das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt worden. Fünf Tage vor Beginn des Aufstandes gegen Gaddafi im Februar war er freigelassen worden. Sirte und Bani Walid sind die einzigen Städte, die noch zum Teil von den Gaddafi-Truppen kontrolliert werden.

Die Bildung einer neuen Übergangsregierung wurde inzwischen "auf die Zeit nach der vollständigen Befreiung des Landes" verschoben. Die inoffiziell bereits existierende Kabinettsliste war von verschiedenen Gruppen in Libyen kritisiert worden, unter anderem von den Islamisten um Abdelhakim Belhadsch, dem Kommandanten der Truppen der Revolutionäre in Tripolis.

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