"Es sind viele Tote", erklärten die Rettungskräfte. Vier Leichen wurden am Donnerstagnachmittag geborgen. Im Inneren des Hotels "Rigopiano" im mittelitalienischen Abruzzen-Ort Farindola hatten sich 22 Gäste, darunter mindestens zwei kleine Kinder, sowie fünf Mitglieder des Personals aufgehalten.

Die Hotelgäste sollen sich zum Unglückszeitpunkt am Mittwochnachmittag im Erdgeschoss des Gebäudes versammelt haben, um nach den Beben in der Region auf die Evakuierung zu warten. Diese verzögerte sich jedoch, weil die Zufahrtsstrassen durch meterhohen Schnee blockiert waren. Und dann kam die verheerende Lawine.

Keine Antwort

Nach Angaben der Feuerwehr gab es am Donnerstag kein Zeichen von Überlebenden aus dem Berghotel. "Das Hotel existiert nicht mehr. Die Lage ist dramatisch. Wir rufen, doch wir bekommen keine Antwort. Auch die Hunde haben keine Signale gegeben, dass jemand noch am Leben sein könnte", berichtete einer der Retter.

Das verschüttete Hotel in Farindola.

Das verschüttete Hotel in Farindola.

Die insgesamt 35 Retter mit Spürhunden hatten das Hotel in der Nacht auf Donnerstag nach einem stundenlangen Weg auf Skiern erreicht. Ihre Arbeit wurde durch einen Schneesturm erschwert. Die Gegend wird schon seit Tagen von heftigen Schneefällen, die schlimmsten seit Jahrzehnten, heimgesucht.

Die Lawinenkegel ist riesig. Nur ein Bruchteil des Vier-Sterne-Hotels auf einer Höhe von 1200 Metern steht noch. Das Hotel sei von Tonnen von Schnee, Bäumen und Geröll weggerissen worden. Matratzen aus dem Hotel seien hunderte Meter vom Gebäude entfernt gefunden worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Bilder einer Videokamera zeigten, wie die Lawine in das Hotel eingedrungen ist. Die Einsatzkräfte suchten mit Spezialhunden, Geophonen - mit denen Bodenschwingungen erfasst werden können - und Kameras nach den Vermissten.

Zwei Überlebende

Die Lawine war am Mittwochnachmittag an einem Hang des Gran-Sasso-Massivs abgegangen, nachdem eine schwere Erdbebenserie die meterhoch eingeschneite Region erschüttert hatte. Mindestens zwei Menschen überlebten das Unglück.

Der Gran-Sasso-Berg (Grosser Fels) ist ein Gebirgsmassiv in den Abruzzen. Der höchste Gipfel ist der Corno Grande mit 2912 Metern. An seiner Nordseite befindet sich der südlichste Gletscher Europas, der Calderone-Gletscher. Der Gran Sasso ist für Wintersportler eine beliebte Destination.

Sie hatten sich im Freien aufgehalten. Ein 38-Jähriger sei unversehrt, weil er zum Auto gegangen sei, um etwas zu holen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Ärzte.

Er selbst sei auch verschüttet worden, habe sich aber aus eigenen Kräften befreien können. Er bange um seine Frau und zwei Kinder. Die Überlebenden hatten am Mittwochnachmittag per SMS um Hilfe gebeten. "Hilfe, wir erfrieren!", hatte einer der beiden geschrieben.

Ein Freund des 38-Jährigen sagte Medienberichten zufolge, dass die Gäste am Mittwoch ihre Koffer schon gepackt hätten. Sie hätten auf einen Schneepflug gewartet, dessen Ankunft sich allerdings verzögerte, berichtete auch die Zeitung "La Repubblica".

Es schneit weiter

Vier Beben, die alle eine Stärke über 5 hatten, hatten am Mittwoch das Gebiet erschüttert, das bereits im August und Oktober von Beben heimgesucht worden war. Erdbeben und seit Jahrzehnten nicht da gewesene Schneefälle hätten eine beispiellose Krisensituation gebildet, sagte Ministerpräsident Paolo Gentiloni am Donnerstag in Rieti.

In der Nacht zu Donnerstag kam es zu weiteren Erdstössen in der Region. Einige Orte waren wegen des Schnees von der Aussenwelt abgeschnitten, Tausende Haushalte ohne Strom. Durch die heftigen Schneefälle und die Erdbeben erhöhte sich die Lawinengefahr - derzeit gilt die Alarmstufe vier von fünf. In den nächsten Tagen soll es in der Erdbebenregion weiter schneien.

Erdbeben und heftige Schneefälle haben Mittelitalien am Mittwoch ins Chaos gestürzt. Vier Erdstösse mit Magnituden zwischen 5,3 und 5,7 in kurzer Folge in Tiefen von sieben bis 40 Kilometern haben am Vormittag die Region erschüttertet.

Bilder aus der italienischen Gemeinde Amatrice, die nach einem heftigen Erdbeben im letzten August erneut von einem starken Beben heimgesucht wurde:

In dem Gebiet hatten sich bereits im August und im Oktober schwere Beben ereignet, bei denen rund 300 Menschen starben. Wegen der neuen Erdstösse kam ein Mann ums Leben. Ein weiterer Mann wurde wegen einer Lawine in Campotosto vermisst, die ebenfalls von der Erdbebenserie ausgelöst wurde.