Lange hat man nichts von ihm gehört. Jetzt meldet sich George W. Bush ganz unverhofft zurück. Der Ex-US-Präsident (2001 bis 2009) tourt quer durch Amerika, um sein neues Buch «Portraits des Mutes» vorzustellen, mit dem der einst mächtigste Mann der Welt auf die schwierige Situation von Kriegsveteranen aufmerksam machen will. In diesem Zusammenhang stand Bush dem NBC-Journalisten Matt Lauer am Montag sechseinhalb Minuten lang Red und Antwort.

Lauer befragte Bush zu Trump, zu den Medien und zum gespaltenen Amerika. Bush blieb diplomatisch und nannte Trump (den er, wie er unlängst bekannt gab, nicht wählte) kein einziges Mal beim Namen. Kritik an seinem republikanischen Nachfolger äusserte Bush nur sehr leise. In der Ära Trump scheint ein mildes Statement für eine unabhängige Presse, wie es Bush in seinem Interview abgegeben hat, aber auszureichen, um als Stimme der Vernunft für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Auszüge des Interviews im Wortlaut:

Präsident Bush, als Sie 2001 nach einem harten Wahlkampf ins Amt kamen, war das Land gespalten. Wie würden Sie die Spaltungen von damals mit der Situation vergleichen, in der sich Amerika heute befindet?

George W. Bush: Das ist ein schwieriger Vergleich. Was sicher ist: Präsident zu sein, ist ein anstrengender Job. Jeder Präsident erkennt diese harte Realität spätestens dann, wenn er das Amt übernimmt. Es gab aber schon immer Zeiten, in denen wir gespalten waren.

Hat Präsident Trump denn irgendetwas dazu beigetragen, diese Spaltung zu überwinden?

Er ist erst seit einem Monat im Amt. Er hat noch vier Jahre vor sich. Es ist aber sicher schwierig, das Land zu einen, wenn die Medien so aufgesplittet sind wie gerade jetzt. Als ich Präsident war, gab es vielleicht drei grosse Medienkonzerne. Heute werden die Leute von allen möglichen Seiten her mit Informationen bombardiert. Menschen geben anonym Auskunft. Die Welt ist anders als damals.

Als Präsident haben die Medien Sie manchmal gelobt, manchmal scharf kritisiert. Gab es je einen Moment, in dem Sie die Medien (Anm. der Redaktion: wie Präsident Trump) als «Feind des Volkes» empfunden haben?

Die Medien sind unverzichtbar für die Demokratie. Wir brauchen unabhängige Medien, um Menschen wie mich zur Verantwortung ziehen zu können. Macht kann süchtig machen, sie kann einen zerfressen. Es ist deshalb wichtig, dass Medien Personen zur Rede stellen, die ihre Macht missbrauchen, ob in Amerika oder sonst irgendwo. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Menschen wie Wladimir Putin von der Notwendigkeit unabhängiger Medien zu überzeugen. Es ist schwierig, anderen zu sagen, sie sollen sich für eine unabhängige Presse einsetzen, wenn wir es selbst nicht mehr tun.

Apropos Putin: Es gibt offene Fragen zu den Kontakten zwischen der russischen Regierung und Trumps Team während des Wahlkampfs. Soll ein Staatsanwalt diese Fragen untersuchen?

Wir brauchen diese Antworten. Ob ein spezieller Staatsanwalt dafür der richtige Weg ist, da fragen Sie den Falschen. Ich war nie Anwalt, ich weiss nicht, was angebracht wäre.

Nach den Anschlägen am 11. September sagten Sie: «Ich will direkt zu Muslimen auf der ganzen Welt sprechen. Wir respektieren euren Glauben. Millionen von Amerikanern und Millionen von Menschen in befreundeten Ländern praktizieren den muslimischen Glauben. Seine Lehren sind gut und friedlich.» Das tönt komplett anders als das Gerede über den «Muslim Ban», das wir heute hören. Finden Sie, Präsident Trump habe sich genügend Gedanken zu diesem Thema gemacht?

Wichtig ist, dass wir die Glaubensfreiheit als eine unserer Stärken anerkennen. Sie ist einer der Grundpfeiler unseres Freiheitsverständnisses. Menschen, die Unschuldige umbringen, sind keine religiösen Menschen, das sind Ideologen.

Wird es nicht schwieriger, diesen Terror zu bekämpfen, wenn wir Menschen aus sieben Ländern grundsätzlich daran hindern, nach Amerika einzureisen?

Schwierig wird es, wenn sich die USA entscheiden, sich aus einer Region zurückzuziehen, bevor dort eine freiheitliche Gesellschaft entstehen konnte. So können wir den Gegner – zum Beispiel den IS – kaum besiegen. Wir müssen Stärke demonstrieren, um dieses Ziel zu erreichen.

Sind Sie für oder gegen den «Muslim Ban»?

Ich bin für eine offene Migrationspolitik, die sich ans Gesetz hält.

Trump hat in seiner Antrittsrede von einem «Amerikanischen Massaker» gesprochen, davon, was in den USA alles falsch läuft. Ist das das Amerika, das Sie kennen?

Wenn ich im Land herumreise, dann sehe ich Menschen – zum Beispiel Kriegsveteranen –, die bereit sind, alles dafür zu geben, dass Amerika ein wundervoller Ort bleibt.

Übersetzung: Samuel Schumacher