Nahost

Lage in Nahost spitzt sich wieder zu – Tote in Gaza und Israel

Ein durch einen israelischen Luftangriff zerstörtes Haus in Gaza City.

Ein durch einen israelischen Luftangriff zerstörtes Haus in Gaza City.

Kurz vor Beginn des Fastenmonats Ramadan hat sich die Gewalt zwischen Israel und militanten Palästinensern gefährlich hochgeschaukelt. Allein am Sonntag wurden mindestens fünf Palästinenser durch Luftangriffe getötet, drei Israelis starben durch Raketen aus Gaza.

Die israelische Armee teilte am Sonntag mit, seit Samstag seien 450 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Mehr als 150 seien abgefangen worden. Bei einem Raketenangriff auf die israelische Stadt Aschkelon wurde in der Nacht zum Sonntag ein Mann getötet, am Sonntag gab es dort nach Polizeiangaben zwei weitere Todesopfer.

Es sind die ersten zivilen israelischen Todesopfer durch Raketenbeschuss seit dem Gaza-Krieg 2014. Wie das Barzilai-Spital in Aschkelon mitteilte, wurden mehr als hundert Personen verletzt.

Neun Palästinenser getötet

Die israelische Armee reagierte mit zahlreichen Vergeltungsangriffen auf den Raketenbeschuss. Panzer und Flugzeuge griffen nach Armeeangaben rund 220 Ziele im Gazastreifen an, darunter einen Angriffstunnel der Islamistengruppe Islamischer Dschihad.

Nach palästinensischen Angaben wurden dabei am Samstag und Sonntag neun Palästinenser getötet. Unter den Toten seien ein Kleinkind und dessen schwangere Mutter. Israel bestreitet, für deren Tod verantwortlich zu sein. Nach Militärangaben wurden sie östlich von Gaza von einer fehlgeleiteten Rakete militanter Palästinenser getroffen.

Islamischer Dschihad bekennt sich

Die Armee betonte, sie greife ausschliesslich militärische Ziele an. Bei einem am Sonntag getöteten Palästinenser handelte es sich nach übereinstimmenden Angaben aus Gaza und Israel um einen 34-jährigen Kommandanten des bewaffneten Flügels der Hamas. Der Islamische Dschihad teilte mit, unter den Toten seien auch zwei seiner Mitglieder.

Die Gruppe bekannte sich zu einem Teil der Raketenangriffe auf Israel und erklärte, sie sei zu weiteren Angriffen bereit. Sie drohte mit Angriffen auf zentrale Ziele in Israel, darunter den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv.

In Gaza wurden nach Angaben von Anwohnern zwei mehrstöckige Gebäude zerstört. Israelischen Angaben zufolge befanden sich in einem der Gebäude Büros des Militärgeheimdienstes und der Sicherheitsdienste der Hamas. In einem der zerstörten Gebäude befand sich nach Angaben von Anwohnern das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan verurteilte "den Angriff Israels auf das Anadolu-Büro in Gaza scharf". Die Anadolu-Mitarbeiter waren nach Angaben der Agentur nach einem Warnschuss kurz vor dem Beschuss in Sicherheit gebracht worden.

Eskalation nach Zusammenstössen

Die angespannte Lage zwischen Israelis und Palästinensern aus dem Gazastreifen hatte sich am Samstagmorgen zugespitzt, nachdem es am Freitag bei Demonstrationen an der Grenze zu gewaltsamen Zusammenstössen gekommen war. Vier Palästinenser wurden dabei getötet. Palästinenserfraktionen kündigten daraufhin Rache an.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte bei einer Kabinettssitzung am Sonntag, er habe das Militär angewiesen, seine "massiven Angriffe gegen terroristische Elemente im Gazastreifen" fortzusetzen. Dazu sollten weitere Truppen und Gerät an die Grenze verlegt werden.

Die US-Regierung stellte sich hinter Israel. "Wir stehen auf der Seite Israels und unterstützen sein Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken", erklärte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums. Vertreter Ägyptens und der UNO bemühten sich um eine Beruhigung der Lage, die EU forderte ein sofortiges Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

ESC in einer Woche

Die Eskalation erfolgt nur eine Woche vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Zunächst blieb die Stadt von der jüngsten Runde der Gewalt verschont.

Ein Sprecher der Europäischen Rundfunkunion (EBU), Veranstalterin des ESC, sagte am Samstag: "Sicherheit steht für die EBU immer an erster Stelle." Man arbeite mit der israelischen Rundfunkanstalt KAN und der Armee zusammen, "um die Sicherheit all jener zu gewährleisten, die mit uns in der Veranstaltungshalle Expo Tel Aviv zusammenarbeiten und sich uns anschliessen". Die ESC-Proben gingen normal weiter.

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