USA-Irak

Lage im Irak spitzt sich zu: US-Armee setzt nach Sturm auf Botschaft Kampfhelikopter ein

Demonstranten greifen US-Botschaft an

Demonstranten greifen US-Botschaft an

Hunderte Demonstranten haben die amerikanische Botschaft in Bagdad (Irak) angegriffen. Sie legten Feuer, verbrannten Flaggen und schlugen Fenster ein. Hintergrund der Demonstration war ein US-Luftangriff gegen schiitische Milizen im Irak und Syrien.

Der monatelange Konflikt zwischen den USA und dem Iran schaukelt sich nun im Krisenland Irak gefährlich hoch: Nach einem US-Luftangriff auf pro-iranische Milizen im Irak stürmten am Dienstag tausende Demonstranten das massiv gesicherte US-Botschaftsgelände in Bagdad.

Mehrere Hundert Demonstranten attackierten die US-Botschaft. Sie zündeten amerikanische Flaggen an und zertrümmerten Fensterscheiben, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur DPA berichteten. US-Botschafter Matthew Tueller befindet sich nach Diplomatenangaben derzeit in den Ferien ausserhalb des Irak.

US-Präsident Donald Trump machte den Iran für die Ausschreitungen an der Botschaft verantwortlich und drohte Teheran mit Konsequenzen. «Jetzt orchestriert der Iran einen Angriff auf die US-Botschaft im Irak», twitterte Trump. Dafür würden die Iraner «voll zur Verantwortung» gezogen, erklärte er weiter. Das irakische Militär müsse die Botschaft schützen, forderte er.

Zudem schrieb der US-Präsident, dass die Zeit für die Millionen von Irakern, die nicht vom Iran kontrolliert wollen werden, gekommen sei.

Elizabeth Warren, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, kritisierte derweil Trumps Rückzug aus dem Iran-Deal und die Luftschläge, welche ohne Rücksprache mit der irakischen Regierung erfolgt seien.

US-Armee setzt Kampfhelikopter ein

Die US-Armee hat nach dem Sturm auf die Botschaft in Bagdad Kampfhelikopter zum Schutz des riesigen Komplexes eingesetzt. «Wir haben angemessene Schutzmassnahmen ergriffen, um die Sicherheit amerikanischer Bürger zu gewährleisten», twitterte der Sprecher der von den USA angeführten Militärkoalition im Irak am Dienstag.

«Wir schicken zusätzliche Kräfte, um unser Personal an der Botschaft zu unterstützen.» Der Militärsprecher veröffentlichte dazu Videos eines Apache Kampfhelikopters, der mehrere Signalraketen über der US-Botschaft in Bagdad abfeuerte.

Demonstranten klettern Mauern hoch

Die pro-iranischen Demonstranten in Bagdad hatten am Dienstag zunächst an einem Trauerzug für die Getöteten der US-Luftangriffe vom Wochenende teilgenommen. Anschliessend gelang es ihnen, ungehindert alle Kontrollposten zur streng gesicherten Grünen Zone, in der sich die US-Botschaft befindet, zu passieren und erstmals seit Jahren zu der US-Vertretung vorzudringen.

Sie riefen «Tod Amerika», forderten den Abzug der US-Truppen im Irak, warfen Steine, verbrannten US-Flaggen und rissen Überwachungskameras aus den Wänden. Als die Demonstranten weiter gewaltsam vorrückten, umstellten irakische Sicherheitskräfte das Gebäude.

Dann durchbrachen tausende teils uniformierte Kämpfer und Anhänger der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Miliz die Aussenwand des Botschaftsgeländes, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. US-Sicherheitskräfte auf dem Gelände feuerten zunächst Schüsse ab, dann Tränengas und Blendgranaten. Nach Angaben der Hasched-al-Schaabi-Miliz wurden mindestens 20 Menschen verletzt.

Mahdi ruft zum Rückzug auf

Iraks noch amtierender Regierungschef Adel Abdel Mahdi rief die Demonstranten auf, sich umgehend von der Botschaft zurückzuziehen. Die Sicherheitskräfte würden jedem Angriff auf ausländische Botschaften hart begegnen, hiess es in einer Mitteilung des Regierungsbüros am Dienstag.

Die irakische Regierung habe die US-Luftangriffe vom Sonntag bereits aufs Schärfste verurteilt, sagte Abdel Mahdi weiter. Er hatte im November aufgrund anhaltender Proteste seinen Rücktritt bekanntgegeben, führt die Amtsgeschäfte aber noch weiter.

Hintergrund: tödliche US-Angriffe

Hintergrund für den Angriff ist die Wut über die tödlichen US-Luftangriffe vom Wochenende gegen drei Stützpunkte der vom Iran unterstützten Schiiten-Miliz Kataib Hisbollah, bei denen 25 paramilitärische Kämpfer getötet und 50 verletzt wurden.

Die vom Iran unterstützte schiitische Miliz, die Teil der schiitischen Volksmobilisierungseinheiten im Irak ist, kündigte Vergeltung für die Angriffe an. «Das Blut der Märtyrer und der Verwundeten wird nicht vergeblich sein und unsere Antwort gegen die US-Kräfte im Irak wird scharf sein», sagte der stellvertretende Anführer, Abu Mahdi al-Mohandis unmittelbar nach den Angriffen gegen die Miliz.

Die irakische Regierung hat die Angriffe verurteilt und will nun ihre Zusammenarbeit mit der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition überdenken.

US-Vergeltung für Raketenangriff

Die USA ihrerseits haben mit den Angriffen auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen US-Militärstützpunkt im Irak reagiert. Die US-Vergeltungsangriffe richteten sich gegen Stellungen radikaler Hisbollah-Brigaden im Irak.

Die USA machen die Miliz für den Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt im Nordirak verantwortlich, bei dem neben dem US-Zivilbeschäftigten vier US-Soldaten sowie zwei irakische Sicherheitskräfte verletzt wurden. Dabei waren mehr als 30 Raketen abgefeuert worden.

Die Reaktion der USA stiess auf scharfe Kritik in Bagdad, Teheran und Moskau. Der Irak ist gleichermassen von den USA und dem mächtigen Nachbarstaat Iran abhängig. Die vom Iran unterstützten Schiiten-Milizen trugen wesentlich zum Sieg über die Extremisten-Miliz IS im Irak bei und gehören inzwischen teils zum regulären Militär des Landes.

Grösste US-Botschaft weltweit

Die US-Botschaft in Bagdad ist nach US-Angaben die grösste Botschaft der Vereinigten Staaten weltweit. Sie war im Januar 2009 offiziell eröffnet worden. Der Botschaftskomplex ist mit 42 Hektar in etwa so gross wie Vatikanstadt.

Nach Angaben des Iran-Sondergesandten im US-Aussenministerium, Brian Hook, hat es in den vergangenen zwei Monaten elf Angriffe gegen amerikanische Truppen oder US-Bürger im Irak gegeben.

Bereits im Mai hatte das Aussenministerium aufgrund der angespannten Sicherheitslage im Irak Teile des Personals in der Botschaft in Bagdad und dem Konsulat in Erbil zeitweise abgezogen. Im September waren zwei Raketen in der Nähe des Botschaftsgeländes in Bagdad eingeschlagen.

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