Der Stadtpräsident von Pittsburgh reagierte umgehend. Am Freitag unterzeichnete Bill Peduto eine Verfügung, in der sich die ehemalige Stahl-Metropole im Bundesstaat Pennsylvania zum Klimaschutzabkommen von Paris bekannte. In der feierlichen Erklärung verurteilte Peduto nicht nur die Entscheidung von Präsident Donald Trump, der am Donnerstag – indem er ausdrücklich Bezug auf Pittsburgh nahm – eine Abkehr der USA von dem 2015 ausgehandelten Klima-Pakt verkündet hatte; der Demokrat verwies auch darauf, dass seine Stadt ein gutes Beispiel dafür sei, wie sich ein Industriezentrum neu erfinden könne.

Green Jobs statt Schwerindustrie

In Pittsburgh lässt sich in der Tat trefflich studieren, welche positiven Auswirkungen der lokale und regionale Klimaschutz auch nach der Abkehr der grössten Volkswirtschaft von «Paris» haben könnte. Lokalhistoriker erinnerten am Freitag daran, dass die Stadt bis in die Siebzigerjahre von der Schwerindustrie abhängig gewesen sei – und die Luft bisweilen derart verschmutzt war, dass man kaum die Hand vor dem Gesicht gesehen habe. Dann brach die Stahlindustrie zusammen und die Kohlebergwerke machten dicht. Heute gehören Spitäler und Banken zu den führenden Arbeitgebern des Grossraums Pittsburgh – Branchen, die zukunftsträchtig und umweltfreundlicher sind. Auch machen sich «Green Jobs» breit, in Bereichen wie der Batterieherstellung oder der Installation von Solarkraftwerken. 13'000 Jobs biete diese Branche derzeit an, heisst es bei der Stadtverwaltung.

Und natürlich ist Pittsburgh Mitglied einer Vereinigung von Stadtpräsidenten, die sich – unabhängig von den Bestrebungen der Bundesregierung – für eine Reduktion der Schadstoffemissionen einsetzen. «Climate Mayors» nennen sich die grünen Politiker, und sie stammen aus New York City, Los Angeles, Chicago, Houston, Philadelphia, Boston oder San Francisco.

Positionen sind klar

Dass es sich dabei vornehmlich um Mitglieder der Demokratischen Partei handelt, ist nicht weiter überraschend. Der Klimaschutz ist zu einem parteipolitisch höchst polarisierten Thema geworden. Demokraten unterstützen multilaterale Verträge wie Kyoto oder Paris, während Republikaner, fast schon reflexartig, einen Konflikt zwischen solchen Abkommen und den Interessen der Geschäftswelt sehen.

Dieses Muster ist auch auf der Ebene der Bundesstaaten präsent: Während Kalifornien und New York Vorreiterrollen beim Klimaschutz übernehmen wollen, stehen republikanisch regierte Bundesstaaten auf die Bremse. Der Kontrast ist augenfällig. So beschloss der kalifornische Senat, die kleine Parlamentskammer, am Mittwoch, dass lokale Stromversorger bis ins Jahr 2045 nur noch Energie aus erneuerbaren Quellen anbieten dürfen. «Saubere Energie ist die Zukunft», sagte Kevin de León, derzeitiger Präsident des Senats. Die Vorlage geht nun an die grosse Parlamentskammer in Sacramento, und dort sollen sich gemäss Gouverneur Brown selbst Republikaner dafür einsetzen. Bereits ist die Rede von einem föderalen Bündnis («United States Climate Alliance»), das unter Führung Kaliforniens ein Gegenwicht zu Washington bilden soll.

Der Tesla-Gründer reagiert

Vom Schwarz-Weiss-Denken in Sachen Klima hat sich die amerikanische Geschäftswelt derweil bereits verabschiedet – auch auf Druck besorgter Investoren und Konsumenten. Am Donnerstag und Freitag verabschiedeten sich deshalb zahlreiche Konzernchefs aus einem präsidialen Beratungsgremium, das sie in den ersten Monaten der Amtszeit von Donald Trump genutzt hatten, um ihre Anliegen im Weissen Haus vorzubringen. So sagte Elon Musk, der Kopf hinter dem Autobauer Tesla: «Der Klimawandel ist echt.» Eine Abkehr von Paris sei weder gut für Amerika noch für die Welt. Auch Bob Iger, langjähriger Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, reichte seinen Rücktritt ein, «aus Prinzip». Jeff Immelt, Chef des traditionsreichen Industriekonzerns General Electric, schrieb auf Twitter: «Nun muss die Industrie eine Führungsrolle übernehmen.»

Weltweite Proteste gegen US-Rückzug vom Pariser Klimaabkommen: