Der Papst wurde in Santiago von Präsident Raúl Castro mit militärischen Ehren, Marschmusik und Kanonensalven empfangen. Ein Gespräch mit Castro ist für Dienstag in der kubanischen Hauptstadt Havanna geplant.

In seiner Begrüssung sagte der Präsident: "Das kubanische Volk wird Ihren Botschaften aufmerksam und mit Respekt zuhören". Kuba werde seinen Kampf für eine bessere Welt fortsetzen. Erneut kritisierte Castro die seit einem halben Jahrhundert geltenden US-Sanktionen gegen Kuba, die in seinem Land grossen Schaden verursacht hätten.

Plädoyer für mehr Fortschritt

Benedikt erinnerte an die historische Reise seines Vorgängers Johannes Paul II. im Jahre 1998. Danach sei das Verhältnis von Staat und Kirche in eine neue Phase eingetreten - "auch wenn es weiterhin viele Felder gibt, auf denen grösserer Fortschritt möglich und notwendig ist". Dem Papst geht es dabei vor allem um den öffentlichen Beitrag der Kirche in dem sozialistischen Land.

Die Wirtschaftskrise in der Welt erfordere eine neue moralische und kulturelle Ausrichtung. "Der wahre Fortschritt verlangt nach einer Ethik, die auf den Menschen ausgerichtet ist und den menschlichen Bedürfnissen Rechnung trägt", sagte Benedikt weiter.

Der Besuch des Papstes fällt in eine Zeit wachsender politischer Spannungen in dem sozialistischen Karibikstaat. Präsident Raúl Castro hat zwar wirtschaftliche Reformen begonnen, die Forderung, auch aus Kreisen der Kirche, nach weitergehenden gesellschaftlichen und politischen Reformen lehnt er aber kategorisch ab.

Proteste, gerade auch vor dem Besuch des Papstes, lässt er unterdrücken. So wurden nach Angaben aus Oppositionskreisen am Sonntag Dutzende Dissidenten vorübergehend festgenommen.

Der Papst hatte bereits auf dem Flug von Rom nach Mexiko, wo er in den vergangenen Tagen begeistert gefeiert wurde, auf die Lage in Kuba Bezug genommen, in dem er den Marxismus als nicht mehr zeitgemäss bezeichnete. Kubas Aussenminister relativierte die Papstkritik mit den Worten, die Regierung respektiere alle Meinungen.