Benny Islami (44) ist vieles: achtfacher kosovarischer Tennismeister, Zahnarzt, Fotograf und seit 15 Jahren Wander- und Skitouren-Pionier in einem Land, dessen Bürger noch immer für jede Reise nach Europa ein Visum brauchen.

Ferien im Ausland sind mit bürokratischen Hürden verbunden, und oft fehlt es den bitterarmen Menschen am Kleingeld, um den Traum vom Trip in ferne Länder überhaupt realisieren zu können.

Islami bedauert die Situation genauso sehr wie die meisten seiner Landsleute. Doch statt den Kopf hängen zu lassen, entschied sich der Mann mit dem schneeweissen Lächeln, die Not zur Tugend zu machen. «Wenn wir nicht rauskönnen, dann müssen wir die Schönheit eben im Inneren suchen», sagte sich Islami und suchte in seiner Heimat nach den schönsten Wanderwegen und Skipisten.

Die Reise führte ihn ins südkosovarische Brecoviza, eine serbische Enklave, deren verschneite Hänge 1984 als Ausweichort für die Olympischen Winterspiele gedient hätten, falls der Schnee in Sarajevo ausgeblieben wäre.

«2003 machte ich in der Region die ersten Skitouren und gründete die Organisation ‹Snow Njeri› (‹Schnee-Mensch›)», erzählt Islami im hippen Café Soma in Pristinas Zentrum. Hier trifft er sich regelmässig mit Touristen, die sich bei ihm nach den neusten Outdoor-Geheimtipps erkundigen.

«Wir wollen den Kosovo in eine Ski- und Wanderdestination verwandeln.» Die Berge dazu hätte der Kosovo. Etwa das Šar Planina im Süden an der Grenze zu Mazedonien oder die Gipfel rund um den Gjeravica, den mit 2656 Metern offiziell höchsten Berg im Kosovo. Ausgeschilderte Wanderwege gebe es viele, nur bei den Skipisten hapere es noch, sagt Islami: «Im ganzen Land gäbe es ein Potenzial für 25 Skigebiete. Realisiert haben wir bisher leider nur drei.»

Benny Islami glaubt, dem Kosovo blühe eine goldene Zukunft als Tourismus-Destination.

Benny Islami glaubt, dem Kosovo blühe eine goldene Zukunft als Tourismus-Destination.

Tagestouren für 10 Euro

Im Sommer 2004 gründete Islami die Organisation «Hiking Njeri» («Wandernder Mensch»). «Vor 15 Jahren war Wandern im Kosovo ausschliesslich ein Hobby der Generation 60+, die mehr wegen des Picknicks und weniger wegen der sportlichen Herausforderung nach draussen ging», sagt Islami.

Auf seine Wandertouren (675, er hat sie dokumentiert) nahm er seine Kamera mit und knipste drauflos. Zwei Fotobücher hat er bereits publiziert: «Pures Kosovo» und «Majestätisches Kosovo», beide in mehreren Auflagen, beide ausverkauft. «Ich wollte mit meinen Bildern die jungen Kosovaren vom Wandersport begeistern.»

Das hat geklappt: Mehrmals wöchentlich sind Islami und sein Team mit bis zu 200 Personen im Kosovo unterwegs. Kostenpunkt für einen geführten ganztägigen Wandertrip: 10 Euro pro Person.

Mit dabei war vor Jahren auch Uta Ibrahimi, die 2017 als erste Kosovarin auf dem Everest stand. «Auf meine Wandertouren kam sie noch mit Jeans und klobigen Schuhen», erzählt Islami.

Berggipfel statt Massengräber

Das Wanderfieber habe die Kosovaren gepackt. Jetzt gelte es, die Schönheit des Landes auch internationalen Touristen näherzubringen. «Wir haben die Landschaften, wir haben die Guides, wir haben die Hotels und Wanderwege. Das Einzige, was uns fehlt, ist ein professionelles Marketing», bedauert der Outdoor-Profi.

Mit den Fotos auf seinen Blogs versucht er, den Kosovo in ein positives Licht zu rücken. «1999 hatte mich die ‹Washington Post› engagiert, um die Spuren des Kriegs zu fotografieren», erzählt Islami. «Ich habe Massengräber und zerstörte Dörfer festgehalten. So was will ich nie wieder tun. Ich will mit meinen Bildern jetzt Gutes bewirken.»

Islami hofft, dass die Regierung im Kosovo in Zukunft auf die Karte Tourismus setzt. Nicht nur, um mehr Ausländer in das kleine Balkan-Land zu bringen, sondern auch, um die Kosovaren untereinander auszusöhnen.

«Der Tourismus kann uns heilen. Die Kosovo-Serben im Skigebiet Brezovica, zum Beispiel, haben extra Albanisch gelernt, weil sie gemerkt haben, dass die kosovoalbanischen Touristen dann eher kommen», erzählt Islami. Das allein sei es Wert, dem Tourismus eine Chance zu geben.