Afghanistan

Koran-Proteste in Afghanistan fordern erneut mehrere Tote

Empörte Afghanen in Kundus

Empörte Afghanen in Kundus

Am fünften Tag der Proteste gegen die Verbrennung von Koran-Exemplaren sind im afghanischen Innenministerium zwei US-Berater erschossen worden. Ein Mann habe die beiden Soldaten erschossen, sagte eine ISAF-Sprecherin am Samstag, ohne Details zu nennen.

Unklar ist, ob der Täter ein Mitglied des afghanischen Militärs oder der Polizei war. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich in einer E-Mail zu der Tat und erklärten, es habe sich um eine Vergeltungsmassnahme für die Schändung der Koran-Schriften gehandelt.

NATO zieht Personal aus Ministerien ab

Die NATO zog ihr gesamtes Personal aus den Ministerien in und um Kabul ab. Dies geschehe, um die Mitarbeiter zu schützen, teilte der Kommandant der ISAF-Truppen, John Allen, mit.

Bei den Getöteten handelte es sich nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen um zwei US-Berater. Zu der Schiesserei kam es demnach in der Kommando- und Kontrollzentrale des Innenministeriums.

Der Ministeriumssprecher Sedik Sedikki sagte, zwei "internationale Kollegen" seien in ihren Büros getötet worden. Demnach wurden Ermittlungen eingeleitet. Die US-Armee hat Berater in allen afghanischen Ministerien.

Weiterhin Partnerschaft mit Afghanistan

Allen bekräftigte, die NATO werde trotz der Entscheidung ihre Partnerschaft mit der afghanischen Regierung aufrecht erhalten. Auch die britische Regierung gab wenig später bekannt, sie ziehe vorübergehend alle zivilen Berater aus afghanischen Regierungseinrichtungen zurück.

Landesweit gingen die blutigen Proteste gegen die Koranverbrennung durch US-Soldaten weiter. Mindestens vier Demonstranten wurden getötet, Dutzende verletzt.

Auf einer Militärbasis im Nordwesten des Landes starben sechs afghanische Soldaten beim Versuch, eine Bombe zu entschärfen. 14 weitere wurden bei der Explosion verletzt, wie der Gouverneur der Provinz Badghis mitteilte. Wie die Bombe auf das Militärgelände gelangt war, blieb unbekannt.

Berichte über einen weiteren Toten in der ostafghanischen Provinz Logar südlich von Kabul wurden vom Provinzgouverneur zurückgewiesen.

Versuchte Stürmung eines UNO-Gebäudes

Hunderte Menschen versuchten am Samstag das UNO-Gebäude in Kundus und das Polizeihauptquartier zu stürmen. Sie konnten aber von der Polizei zurückgehalten werden, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte. Mindestens vier Demonstranten wurden bei den Protesten in Kundus getötet, mehr als 50 verletzt, darunter Polizisten.

Die Proteste hatten begonnen, nachdem US-Soldaten auf einem Stützpunkt Exemplare des Korans verbrannt hatten, was als Gotteslästerung gilt.

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