"Wir sind der Meinung, dass die Planung ein Rückschritt und kein Fortschritt ist", sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) am runden Tisch im Stuttgarter Rathaus. Es sei viel wichtiger, die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel auszubauen. "Stuttgart 21 ist schlicht die falsche Priorität."

Bei der live im Fernsehen und Internet übertragenen Schlichtung vertrat der Technikdirektor der Deutschen Bahn, Volker Kefer, betont sachlich die Position der Projektträger. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus hielt sich komplett zurück.

Kefer erläuterte, dass der Bau des Tiefbahnhofs und die Anbindung an die geplante ICE-Trasse nach Ulm die Reisezeit um 26 Minuten verkürze. Das sei extrem wichtig, um die Menschen zum Umstieg auf die Schiene zu bewegen.

Die Schlichtung soll bis zum 3. Dezember jeden Freitag fortgesetzt werden. Vermittler Heiner Geissler mahnte beide Seiten zu Beginn, keine parteipolitische Auseinandersetzung zu führen. "Wir wollen hier kein Predigten hören und keine Glaubensbekenntnisse", sagte der frühere CDU-Generalsekretär.

Alle Fakten auf den Tisch

Bei der Schlichtung sollen nach den Worten Geisslers alle Fakten zu dem umstrittenen Projekt auf den Tisch kommen. Ein solcher Faktencheck sei "unbedingt notwendig". Am Ende solle der Versuch unternommen werden, zu einer gemeinsamen Bewertung der Fakten zu kommen.

Dies werde aber wahrscheinlich nicht in allen Punkten gelingen. Geissler wertete es aber bereits als "grossen Erfolg", dass Gegner und Befürworter von "Stuttgart 21" zu einem Gespräch zusammengefunden hätten.

Bei "Stuttgart 21" soll der Stuttgarter Hauptbahnhof für 4,1 Milliarden Euro von einem Kopf- in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden.