Hausdurchsuchung

Konflikt zwischen Ukraine und Russland spitzt sich weiter zu

Petro Poroschenko warnt vor russischen Panzern an der Grenze.

Petro Poroschenko warnt vor russischen Panzern an der Grenze.

Eine Hausdurchsuchung im Kiewer Höhlenkloster erzürnt Moskau. Russen zwischen 16 und 60 Jahren dürfen derweil nicht mehr in die Ukraine einreisen.

Während es am Asowschen Meer am Freitag weitgehend ruhig blieb, verlegte sich der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland aufs Festland. Nachdem die Kontrollen an den Grenzübergängen zu Russland bereits am Mittwoch verstärkt wurden, gab Kiew nun bekannt, die Einreise russischer Männer zwischen 16 und 60 Jahren ganz zu verbieten. Die Einschränkung gilt auf unbeschränkte Zeit. Vor allem im Grenzgebiet könnte sie sich nachhaltig negativ auswirken, pendelten doch viele gemischte Familien etwa im Grossraum Charkiw immer noch zwischen Russland und der Ukraine. Der Kreml protestierte umgehend.
Auch in Kiew selbst gerieten russische oder als russisch wahrgenommene Einrichtungen unter Druck. So tauchte der ukrainische Geheimdienst SBU am Morgen unangemeldet bei Pater Pavlo, dem Vorsteher des Höhlenklosters, auf. Die berühmte Kiewer Klosteranlage steht unter der Obhut des Kreml-treuen Moskauer Patriarchats. Pater Pavlo wird die Anstachelung von Hass vorgeworfen, weil er sich in letzter Zeit vehement gegen die Emanzipation der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskau ausgesprochen hat.

Erst kürzlich wurde in Kiew eine Rauchgranate in eine bekannte Kirche am Andreas-Stieg geworfen, weil sich deren Oberhirte mit dem Kiewer Patriarchat solidarisiert hatte. Nun traf es die Gegenseite. Moskau hatte schon früher vor der Kirchenspaltung in ein Moskauer und ein Kiewer Patriarchat gewarnt. Die Gläubigen, die in Kirchen des Moskauer Patriarchats beten wollten, genössen Moskaus Schutz genauso wie alle Russischsprachigen auf der Welt, hiess es warnend an die Adresse Kiews. Am Freitag nun drohte der russische Aussenminister Sergei Lawrow, der Geduldsfaden der Russen sei am Reissen. Moskau könnte gezwungen sein, ganze Landstriche der Ukraine unter seinen Schutz zu stellen, hiess es in der Erklärung. Laut einer Umfrage des Razumkow-Instituts unterstützt in der mehrheitlich russischsprachigen Ost- und Südukraine, darunter die Küstenregion des Schwarzen und des Asowschen Meeres nur jeder siebte Ukrainer die Kirchenabspaltung. Auf diese Klientel zählt nun Moskau, genauso wie es im Frühjahr 2014 im Donbas die Sprachenfrage zum Anlass genommen hatte, in Donezk und Luhansk prorussische Para-Staaten zu installieren.

Ukraine verlegt Truppen

Vermutlich auch angesichts dieser Spannungen verlegte die ukrainische Armee am Freitag Truppen an die Gebietsgrenzen entlang der Küste des Asowschen Meeres. Im Ferienort Ursuf zwischen den Hochseehäfen Berdjansk und Mariupol bezogen Artillerietruppen Stellung. Flaches Steppenland bietet dort keine Hindernisse für Angreifer aus dem Osten. Diese müssten indes zuerst die Frontlinie bei Mariupol forcieren, wohin die Regierungstruppen schon vor drei Jahren schwere Waffen und viele inzwischen teilweise Nato-geschulte Soldaten verlegt haben.
Moskau wiederum verlegte Artillerietruppen nach Dschankoi im Norden der völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Halbinsel Krim. Die ersten am Sonntag gefangen genommenen ukrainischen Matrosen wurden überdies von der Krim nach Moskau ausgeflogen, wo sie im Lefortowo-Gegängnis auf ihre Prozesse warten sollen. Wegen angeblich unerlaubten Grenzübertritts drohen ihnen bis zu 12 Jahre Lagerhaft. Die Aufforderungen der Nato, EU und USA, Matrosen und Schiffe unverzüglich an die Ukraine zurückzugeben, fruchteten nichts.

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