Die Stellungnahme des Weissen Hauses war deutlich: Die USA würden dem Pariser Klimaschutzabkommen den Rücken zukehren, wenn es Washington nicht gelänge, vorteilhaftere Vertragsbedingungen auszuhandeln, liess sich am Montag ein anonymer Berater von Präsident Donald Trump zitieren. An dieser Position gebe es nichts zu rütteln, und dies habe der präsidiale Wirtschaftsberater Gary Cohn seinen internationalen Gesprächspartnern während eines Frühstücks «klargemacht».

Notwendig wurde diese Stellungnahme, weil das Frühstück am Rande der jährlichen UNO-Vollversammlung in New York Anlass zu zahlreichen Spekulationen gegeben hatte. Denn das Timing schien auffällig zu sein, hatte sich doch ein hochrangiger Klimaschutzbeauftragter des Weissen Hauses am Samstag recht konziliant über den Klimapakt geäussert. Dies jedenfalls berichteten Teilnehmer einer Regierungskonferenz im kanadischen Montreal.

Bereits war in der amerikanischen Hauptstadtpresse die Rede von einer anstehenden Kehrtwende der Regierung Trump. So schrieb das «Wall Street Journal» in einem Artikel, der am Samstag auf der Internetseite der Wirtschaftszeitung publiziert worden war: «Die Regierung Trump wird sich nicht vom Pariser Klimapakt verabschieden.» Einige Beobachter gingen gar so weit, darüber zu spekulieren, dass sich der Präsident angesichts der Zerstörungswut der Hurrikane «Harvey» und «Irma» eines Besseren habe belehren lassen.

Schäden nach dem Hurrikan Irma: 

Dementi aus dem Weissen Haus

Die Haltbarkeit dieser Schlagzeile erwies sich allerdings als gering. Denn kaum publiziert, veröffentlichte das Weisse Haus pointierte Dementis. «An der Haltung der USA bezüglich der Pariser Abkommen hat sich nichts geändert», teilte Trump-Sprecherin Lindsay Walters am Samstag mit. Dann folgte am Sonntag die Klarstellung des präsidialen Sicherheitsberaters H. R. McMaster, der dem «Wall Street Journal» vorwarf, die Unwahrheit verbreitet zu haben. McMaster, ein angesehener Militärstratege, sagte: Trump habe sich dazu entschieden, aus dem Klimapakt auszusteigen, weil das Abkommen für die amerikanische Bevölkerung und die Umwelt Nachteile mit sich bringe. Nach wie vor gälte aber, was Trump am 1. Juni verkündet hatte, ergänzte Aussenminister Rex Tillerson. Wenn sich die internationale Staatengemeinschaft dazu entscheiden würde, «Paris» neu zu verhandeln, dann sei Washington diesen Bemühungen «unter den richtigen Voraussetzungen» nicht abgeneigt. Tillerson gilt in Washington als Anhänger eines multilateralen Klimaschutzabkommens, auch weil er während seiner langen Amtszeit als Konzernchef von ExxonMobil diese Bestrebungen immer wieder unterstützt hatte.

Vergessen ging in der Aufregung über Trumps Klimaschutzpositionen, dass sich Trump am 1. Juni in erster Linie ans heimische Publikum gerichtet hatte, als er das Ende von «Paris» verkündete. Aufgrund der Vertragsbestimmungen können die USA dem Abkommen frühestens im November 2020 den Rücken zukehren – kurz nach der nächsten Präsidentenwahl. Bis zu diesem Zeitpunkt will die amerikanische Regierung weiterhin eine konstruktive Rolle in den Klimaschutzgesprächen spielen, heisst es in Washington, obwohl Trump einige führende Skeptiker des Klimawandels in hochrangige Positionen berufen hat.

Unter diesen Vorzeichen ergibt auch das Frühstück Sinn, zu dem Wirtschaftsberater Cohn am Montag eingeladen hatte. Lang und breit konnte der ehemalige Goldman-Sachs-Banker seinen Gesprächspartnern nämlich erklären, wie die US-Regierung gedenke, den heimischen Energiemarkt zu revolutionieren – und wie diese Revolution auch den Schadstoffausstoss verringere.