Es war die Sternstunde einer Karriere, vielleicht eines Lebens. Laurent Fabius blickte auf die fast 2000 Landesdelegierten und sagte: «Ich sehe keinen Einwände im Saal. Ich erklärte das Abkommen von Paris für angenommen.»

Dann haute er mit einem lächerlich kleinen Holzhämmerchen symbolisch auf das Podium: Der Planet Erde hatte den Zuschlag für ein erstes verbindliches Klimaabkommen erhalten.

Für Fabius ist es die Krönung einer langen Karriere. Schon 1984 war der heute 69-Jährige Sozialist jüngster Premierminister Frankreichs geworden. Seit drei Jahren ist er als Aussenminister Frankreichs in seinem diplomatischen Element; den Atomverhandlungen mit dem Iran drückte er den Stempel ebenso auf wie den Syriengesprächen.

Das Klimaabkommen ist in erster Linie sein Werk.Sein Vorgesetzter, Präsident François Hollande, machte nur eine Vorgabe, die vor allem innen- und wahlpolitisch motiviert war: Egal wie es ausfällt - ein Abkommen musste her. Fabius hielt sich daran.

Er analysierte genau, warum der Klimagipfel von Kopenhagen 2009 gescheitert war. In Le Bourget bei Paris vereinte er die Staats- und Regierungschef am 30. November nur noch zu einem feierlichen Auftakt; ansonsten liess er die Unterhändler walten. Die einzelnen nationalen Beiträge holte er zudem schon im voraus ein, um die Verhandlungen an der Konferenz zu entlasten.

In Le Bourget förderte er geschickt die Bildung von «Koalitionen» – etwa der «Ehrgeizigen» – und so genannter Spinoff-Groups. Damit gelang es ihm, die Fronten aufzubrechen und eine lähmende Blockbildung wie 2009 zu verhindern.

Fabius‘ rundherum begrüsste Taktik bestand darin, volle Transparenz über den Verlauf der Gespräche zu schaffen. Gleichzeitig behielt er aber oft als einziger den Überblick über die transversalen Themen über die Gruppenverhandlungen hinweg.

Dabei folgte er dem «Indaba»-Prinzip südafrikanischer Zulu-Stämme, das er vier Jahre zuvor bei der Klimakonferenz in Durban gelernt hatte. Diese chaotisch scheinende, in Wahrheit aber sehr kreative Verhandlungsführung erlaubte es ebenfalls, Blockaden aufzusprengen und einen Stillstand zu vermeiden.

Zum Schluss folgte Fabius aber nur noch seinem eigenen Riecher. Am Donnerstag reduzierte er die Spinoff-Gruppen wieder, um die Gespräche zu kanalisieren. Einen Tag später legte er einen Entwurf für ein Schlussdokument vor, obwohl eine Einigung noch in weiter Ferne schien.

Am Samstag ging er aufs Ganze und erklärte, dieses letzte Dokument sei «à prendre ou à laisser» - entweder in seiner Gesamtheit anzunehmen oder zurückzuweisen.

Die Amerikaner liessen sich von dem Bluff nicht beeindrucken und verlangten nochmals eine Wortänderung von «shall» in «should», um nicht schlechter als die Chinesen dazustehen. Damit drohte allerdings eine neue Einsprache aus Peking.

Fabius zeigte sich noch einmal flexibel, nahm die US-Forderung eigenmächtig ins Papier und liess, noch bevor China aufbegehren konnte, den Hammer sausen. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks zog den Hut: «Das ist schon hohe diplomatische Schule, was Laurent Fabius uns hier gezeigt hat.»

Natürlich standen, wie der Angesprochene am Samstag selber erklärte, auch die Sterne günstiger für die Konferenz von Paris als für «Kopenhagen». Aber ohne den französischen Aussenminister hätte es womöglich gar kein Abkommen gegeben.

Vielleicht wurde ihm die Tragweite seines Handelns zum Schluss selber bewusst: Am Samstag zeigte er einen Riss in seiner jovialen Fassade und seinem diplomatischen Panzer, als sein Stimme bröckelte und der sichtlich erschöpfte Politveteran gegen die Tränen kämpfen musste.

Es war ein kurzer, sehr menschlicher Moment, und die Delegierten im Saal quittierten es mit Szenenapplaus, der nur etwas besagen konnte: «Merci, Monsieur Fabius!»