Die beiden Hilfswerke «Brot für alle» und «Fastenopfer» kritisieren in einer neuen Studie, die der az vorliegt, die Tätigkeiten von Glencore in der Demokratischen Republik Kongo massiv. Der Schweizer Rohstoffkonzern mit Sitz in Baar kaufe Kupfer von Zwischenhändlern, das unter sehr prekären Bedingungen und von Kindern abgebaut worden sei.

Der Fokus der Recherchen liegt auf der Mine in der Ortschaft Tilwezembe: Die Konzession ist im Besitz der Glencore-Tochter Katanga, die wiederum an Kamoto Copper Company (KCC) eine Beteiligung hält. Laut Recherchen der Rohstoff-Expertin Chantal Peyer würden auf dem Minengelände rund 1600 Kleinschürfer auf eigene Faust Rohstoffe abbauen. Mehr als ein Drittel dieser Kleinschürfer sei minderjährig. Umfassende Recherchen hätten zutage gefördert, dass ein Teil der Rohstoffe, die auf dem Minengelände abgebaut werden, über verschiedene Zwischenhändler in den Besitz von Glencore gelangen.

Glencore wehrt sich gegen Vorwurf

«Damit trägt Glencore Mitverantwortung für die menschenunwürdigen Zustände in den Minen, wo die Kleinschürfer mit nackten Händen und ohne Sicherheitsvorkehrungen in bis zu 80 Meter tiefe Schächte hinuntersteigen», schreibt die Autorin. Hinzu komme, dass die Kleinschürfer nur einen Teil des Erlöses erhalten, der ihnen zustehen würde.

Glencore-Unternehmenssprecher Simon Buerk kritisiert diesen Teil der Studie der beiden Hilfswerke klar und nimmt gegenüber der az wie folgt Stellung: «Wir sind in keiner Weise am handwerklichen Erzabbau beteiligt. Wir bauen das Erz ausschliesslich auf industrieller Basis ab und wir kaufen kein Material von Kleinschürfern.» Ausserdem verwehrt sich Glencore gegen den Vorwurf, über Zwischenhändler das Rohmaterial zu beziehen und im benachbarten Sambia zu verarbeiten.

Für Glencore entwickelt sich die Situation in Tilwezembe dennoch zu einem Image-Problem. Ausgerechnet im Jahr der geplanten Fusion mit dem Bergbaukonzern Xstrata und nur ein Jahr nach dem Börsengang, droht die Lage in den im offenen Tagebau in Kongo ausser Kontrolle zu geraten. Im englischen Fernsehen BBC ist für heute Abend eine Dokumentation über die Situation in Kongo und die der az vorliegende Recherche der Hilfswerke angekündigt.

«Die Situation in der Tagebaustätte Tilwezembe stellt ein ernstzunehmendes Problem dar, auch für uns. Unter anderem, weil wir für die Konzession bezahlen, ohne das Erz abbauen zu können», gibt Glencore-Mann Buerk zu. Einen Ausweg aus dieser misslichen Lage zu finden, sei extrem heikel. Die Mine, so Buerk, könne nicht einfach polizeilich geräumt werden. Die lokalen Verantwortlichen wollten mit allen Mitteln Ausschreitungen verhindern, für die wiederum der Rohstoffkonzern verantwortlich gemacht werden könnte.

Umwelt mit Schwefelsäure belastet

Neben den Verletzungen von Menschenrechten wirft die Studie Glencore massive Umweltverschmutzung vor. Etwa im Luilu-Fluss, wo eine hydrometallurgische Aufbereitungsanlage von KCC Schwefelsäure, die sie für die Herstellung von Kupfer-Kathoden verwendet, unbehandelt in den Fluss leite. Auch der Blei-, Kobalt-, Kupfer-, Nickel- und Zinkgehalt der Abwässer von KCC würden die gesetzlichen Höchstwerte der Demokratischen Republik Kongo deutlich überschreiten.

Glencore-Sprecher Buerk räumt eine Verschmutzung des Flusses ein, sagt jedoch, dass diese Leks inzwischen behoben seien: «Die Anlage ist 50 Jahre alt. Das Problem haben wir geerbt, als wir die Anlage 2009 übernommen haben. Sie entsprach aus ökologischer Sicht auch nicht unseren Anforderungen. Doch die Renovation war technisch aufwändig. Wir mussten zuerst geeignete Auffangbecken bauen.» Das Problem sei inzwischen gelöst.»

Ein grosses Problem stellten auch Staubimmissionen sowie die Versorgung der Menschen in der Region mit Trinkwasser dar. Während der Trockenzeit beklagten sich die Einwohner von den Abbaustätten, den Abraumhalden und Strassen. Ihre Häuser seien voll von schwermetallhaltigen Staubpartikeln. In seiner Stellungnahme meint das Baarer Unternehmen gegenüber der Autorin der Studie, es setze vermehrt Technologien zur Verminderung von Staubemissionen ein.

Glencore wird regelmässig von Hilfswerken kritisiert. Sie werfen dem Unternehmen etwa vor, in den Ursprungsländern zu wenig Steuern zu bezahlen. Dies, indem es Firmen in steuergünstigen Kanalinseln zwischenschalten würde. Das Hauptproblem in Kongo sei, dass Glencore zu wenig Gewinnsteuern abliefere. «Nach unseren Schätzungen sind der Demokratischen Republik 144,1 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr 2010 und 52 Millionen US-Dollar für 2011 entgangen», so die Autoren der Studie. Glencore gibt an, dass ihre beiden kongolesischen Töchter 2011 Abgaben in der Höhe von 166 Millionen US-Dollar geleistet hätten.