Friedensverhandlungen

Kims Karten und Trumps Rolle: Fragen und Antworten zu den Entwicklungen in Korea

Südkoreaner schrieben am Wochenende ihre Wünsche für die Zukunft auf Stoffstreifen und hängten sie an den Imjingak Pavilion im südkoreanischen Paju, wo sich Kim Jong Un und Moon Jae In zu Gesprächen trafen.

Südkoreaner schrieben am Wochenende ihre Wünsche für die Zukunft auf Stoffstreifen und hängten sie an den Imjingak Pavilion im südkoreanischen Paju, wo sich Kim Jong Un und Moon Jae In zu Gesprächen trafen.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In haben sich zu einem historischen Gipfeltreffen zusammengefunden. Doch ist damit nun der Frieden besiegelt? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengetragen.

1. Ist die Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel gebannt?

Gebannt nicht, aber sie ist deutlich geringer geworden. Nach jahrelangem Säbelgerassel hat eine Entspannungspolitik eingesetzt, die vor Kurzem noch kaum jemand für möglich gehalten hätte. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In einigten sich bei ihrem Gipfeltreffen darauf, noch dieses Jahr eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen, die den seit 1950 anhaltenden Kriegszustand beenden und eine Denuklearisierung einleiten soll.

Bilder vom historischen Treffen der beiden Staatschefs:

Das Kernproblem ist, dass Nordkorea unter Denuklearisierung etwas anderes versteht als die USA und ihre Verbündeten. Für Präsident Donald Trump bedeutet es die völlige Aufgabe von Nuklearwaffen. Eine derartige Zusage Pjöngjangs gibt es nicht. Kim hat lediglich angeboten, einen Verzicht auf seine Atomwaffen zu erwägen, sollte er im Gegenzug Sicherheitsgarantien bekommen. Bis es in dieser Frage keine Einigung gibt, kann sich der Konflikt jederzeit wieder zuspitzen.

Kim überquert als erster Führer Nordkoreas die Grenze nach Südkorea

Kim überquert als erster Führer Nordkoreas die Grenze nach Südkorea

2. Ist Kims Abrüstungsversprechen ernst gemeint?

Diesen Anschein macht es zumindest. Am Freitag nannte Kim zunächst keine Details. Gestern wurde er aber konkret: Das Atomtestgelände Punggye-ri soll noch im Mai geschlossen werden. In der Testanlage fanden alle sechs bisherigen Atomtests Nordkoreas statt. Er wolle in den nächsten Tagen auch Experten und Journalisten aus den USA und Südkorea einladen, die sich vom Abbau der Anlagen überzeugen können.

Die Entscheidung, Punggye-ri aufzugeben, dürfte Kim allerdings nicht allzu schwer gefallen sein. Für weitere Atomtests ist die Anlage gar nicht mehr nutzbar. Chinesischen Geologen zufolge ist die unterirdische Detonation beim Atomtest im vergangenen September so heftig ausgefallen, dass ein ganzer Berg kollabierte und die Anlage zerstörte. Die Ankündigung sagt nichts darüber aus, ob Kim an anderen Orten nicht auch weiter an Bomben und Raketen basteln lässt.

3. Wie könnte die nukleare Abrüstung Nordkoreas kontrolliert werden?

Der ein- oder zweimalige Besuch von Experten aus dem Ausland wird den USA als Nachweis für Nordkoreas Abrüstungspläne sicher nicht reichen. Schon 2008 hatte Pjöngjang die Aussenwelt eingeladen, dem Abriss eines Kühlturms der Reaktoranlage Nyongbyon zuzuschauen. Dafür erhielt Pjöngjang Hilfslieferungen. Im Mai 2009 gab es dann trotzdem den zweiten nordkoreanischen Atomwaffentest. Die USA fordern den klaren Nachweis für einen Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals. Dazu gehört auch, dass unabhängige Inspektoren dauerhaft ins Land gelassen werden.

4. Kommt es zur koreanischen Wiedervereinigung?

Eine Wiedervereinigung ist so bald nicht wahrscheinlich. Zwar haben beim Gipfel am Freitag sowohl Kim als auch Moon eine Wiedervereinigung angedeutet. Und wie schon zuletzt bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang wollen beide Seiten auch bei künftigen Sportveranstaltungen unter gemeinsamer Flagge auftreten. Doch mehr als Symbolik ist das nicht.

Nach 65 Jahren der Trennung haben sich beide Staaten weit auseinanderentwickelt. In Nordkorea hungern die Menschen, während sich Südkorea zu einem der wohlhabendsten Staaten ganz Asiens entwickelt hat. Und auch im zwischenmenschlichen Bereich sind die Gräben tief. Es gibt bis heute keine privaten Besuche und Telefonate, nicht einmal Briefverkehr. Eine Mehrheit der Südkoreaner will gar keine Wiedervereinigung mehr.

5. Was wird aus dem nordkoreanischen Diktator?

Kim Jong Un sieht sich wie schon sein Vater oder Grossvater als absoluter Herrscher über Nordkorea – und zwar auf Lebenszeit. Daran soll auch eine Annäherung an Südkorea nichts ändern. Seinen bisherigen Kurs sieht er als grossen Erfolg. Anders als seinem Vater ist es ihm gelungen, das Atomprogramm seines Landes so konsequent auszubauen, dass selbst die USA mit ihm verhandeln. Die Atomraketen sind seine beste Lebensversicherung. Und die wird er sich erhalten.

6. Ist die Entwicklung ein Erfolg von US-Präsident Trump?

Trump twitterte, «die USA und ihr grossartiges Volk sollten stolz auf das sein, was sich gerade in Korea abspielt». Trump ist überzeugt: Hätte er nicht so konsequent die Sanktionen gegen Nordkorea durchgesetzt, hätte Kim nicht eingelenkt. Ohne Frage trägt die Sanktionspolitik dazu bei, dass Nordkorea sich nun an den Verhandlungstisch bewegt. Der junge Kim hat seinem Land von Beginn seiner Amtszeit an wirtschaftlichen Aufschwung versprochen. Dieses Versprechen kann er jedoch nur einlösen, wenn die Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden.

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