Nordkorea

Kim Jong Un zündelt erneut mit Raketen – und testet Donald Trump

Nordkorea hat allein im vergangenen Jahr mehr als 20 Raketentests durchgeführt.

Nordkorea hat allein im vergangenen Jahr mehr als 20 Raketentests durchgeführt.

In der Nacht zum Sonntag feuerte die nordkoreanische Armee nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums im Nordwesten des Landes eine ballistische Rakete ab. Der Zeitpunkt des Abschusses war nicht zufällig gewählt.

Es war nur eine Frage der Zeit, wann Nordkorea mit dem erneuten Abschuss einer Rakete auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump reagieren würde. Denn anders als noch im Wahlkampf, als er sich Nordkorea gegenüber gesprächsbereit zeigte und sogar willens war, sich mit Diktator Kim Jong Un an einen Tisch zu setzen, hat Trump seit seinem Amtsantritt den Ton gegenüber dem Regime in Pjöngjang deutlich verschärft.

In der Nacht zum Sonntag feuerte die nordkoreanische Armee nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums im Nordwesten des Landes eine ballistische Rakete ab. Sie sei rund 500 Kilometer in Richtung Japanisches Meer geflogen. Dort stürzte sie ins Meer.

Die japanische Regierung zeigte sich zwar alarmiert, betonte jedoch, dass die Rakete nicht japanisches Hoheitsgebiet getroffen habe. Um welchen Raketentyp es sich handelte, konnten zunächst weder der Generalstab in Seoul noch die Regierung in Tokio sagen (siehe nachfolgende Box). Das Regime in Pjöngjang bestätigte den Abschuss zunächst nicht.

USA zu «100 Prozent hinter Japan»

Pjöngjang dürfte den Zeitpunkt des Abschusses nicht zufällig gewählt haben. Japans Premierminister Shinzo Abe ist derzeit zu Besuch bei Trump auf seinem Anwesen in Florida. Gemeinsam verurteilten sie von dort aus den Raketentest. Das Vorgehen Pjöngjangs sei «absolut nicht tolerierbar», erklärte Abe. Trump betonte, die USA stünden zu «100 Prozent» hinter Japan.

Das klang aus Trumps Mund vor einigen Monaten noch ganz anders. Im Gegensatz zu seiner Kontrahentin Hillary Clinton, die für weitere scharfe Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang eintrat, erklärte Trump im Wahlkampf, er halte es für möglich, mit Diktator Kim Jong Un über dessen Atomwaffenprogramm ins Gespräch zu kommen.

«Ich würde mit ihm reden, ich habe absolut kein Problem damit», hatte er gesagt. Japan und Südkorea wiederum gab er zu verstehen, dass sie auf uneingeschränkte US-Unterstützung nicht länger zählen sollten, und drohte mit einem Truppenabzug aus Südkorea. Zugleich beschuldigte er vor allem China, sich nicht ausreichend zu engagieren.

Nordkoreas Regime zeigte sich über diesen Vorschlag geradezu entzückt. In der staatlichen Zeitung «DPKR Today» wurde Trump als «weiser Politiker» und «weitsichtiger Präsidentschaftskandidat» gehuldigt, der die Amerikaner von der atomaren Bedrohung befreien könne.

Es zeige sich, dass Trump nicht der raue, seltsame und ignorante Kandidat sei, als der er beschrieben werde, hiess es darin weiter. Vor allem in Südkorea ist die Angst gross, die USA könnten sich erstmals seit mehr als 60 Jahren aus der Region zurückziehen und die Halbinsel dem brutalen Regime im Norden überlassen.

Auch in Japan wächst die Angst vor einem nordkoreanischen Nuklearschlag. Das Inselreich ist seit seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg per Verfassung in seiner Rüstung eingeschränkt und bei der Landesverteidigung von der Schutzmacht USA abhängig.

Unter Abe, der die Verfassung ändern will, rüstet Japan bereits stark auf. Dass Trump nun gegenüber Japan doch seine Unterstützung erklärt, dürfte die Ängste in der Region kaum lindern. Dafür gilt Trump auch in Fernost als zu sprunghaft und wenig berechenbar.

Atomprogramm bleibt rätselhaft

Militärexperten in Japan, Südkorea und den USA rätseln indes weiter, wie weit Nordkorea mit seinem Atomwaffenprogramm ist. Wenige Wochen vor der US-Wahl im November hatte Nordkorea zweimal Mittelstreckenraketen abgefeuert.

Einig sind sich die Experten, dass Nordkorea imstande ist, ballistische Raketen relativ zielgenau abzuschiessen. Wie schnell das stalinistisch geführte Land jedoch fähig sein wird, schon bald auch Langstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen zu bestücken, die auch Teile der USA erreichen könnten, ist unklar.

Zumindest zu Jahresbeginn sah Trump im nordkoreanischen Atomprogramm noch keine Gefahr für sein Land. «Nordkorea hat gerade verkündet, die Endphase der Entwicklung einer Atomwaffe erreicht zu haben, die Teile der USA erreichen kann. Das wird nicht passieren!», gab er sich in einem seiner Twitter-Einträge zuversichtlich.

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