Eingeladene Reporter und Kamerateams aus den USA und anderen Ländern berichteten am Donnerstag, sie hätten auf dem Testgelände im Nordosten des Landes über einen Zeitraum von mehreren Stunden grosse Explosionen bezeugen können.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte die Schliessung der Testanlage bei seinem Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In Ende April angekündigt.

Der Schritt sollte auch die Absicht Pjöngjangs zum Abbau seines Atomprogramms bekunden. Zudem galt die Aktion vor dem geplanten historischen Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump als eine politische Geste der Verhandlungsbereitschaft.

Trump sagt Treffen ab

Trump sagte das Treffen jedoch kurz darauf ab. Er habe sich sehr auf die Begegnung gefreut, schrieb er in einem Brief an Kim, den das Weisse Haus am Donnerstag veröffentlichte. Leider habe Nordkorea jedoch in seinen letzten Statements "enormen Ärger und offene Feindschaft" erkennen lassen, er halte deswegen ein Treffen zum jetzigen Zeitpunkt für unangemessen.

Bei dem für den 12. Juni anberaumten Gipfel in Singapur wollten beide Länder über eine friedliche Lösung des langjährigen Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm verhandeln. Doch zuletzt verstärkten sich wieder die Misstöne zwischen beiden Seiten.

Die Führung in Nordkorea hatte am Donnerstag aus Verärgerung eines Vergleichs ihres Landes mit Libyen durch US-Vizepräsident Mike Pence erneut mit einer Absage des Gipfels gedroht.

Bestätigung von Experten fehlt

Die Nordkoreaner hätten auf dem Gelände in Punggye-ri "die drei noch verbleibenden Testtunnel" zur Explosion gebracht, berichtete der Korrespondent des US-Senders CBS News, Ben Tracy, aus Nordkorea. Das Problem sei jedoch gewesen, es sei kein "auswärtiger Experte vor Ort gewesen, um zu bestätigen, was Nordkorea behauptet, getan zu haben: die Schliessung des Atomtestanlage ist wirklich vollzogen".

Die nordkoreanischen Staatsmedien berichteten, das Institut für Nuklearwaffen habe eine "Zeremonie für die komplette Demolierung des nördlichen Testgrundes" abgehalten. Die Tunneleingänge seien vollständig geschlossen worden. In zwei Tunneln hätten noch starke unterirdische Nukleartests durchgeführt werden können.

Nordkorea hatte für die Schliessung des Testgeländes Journalisten aus den USA, Südkorea, Grossbritannien, China und Russland eingeladen. Die Atomteststopp-Behörde CTBTO konnte die von Nordkorea verkündete Zerstörung des Atomwaffentestgeländes nicht selbst geprüft. Ihre Inspektoren seien noch nicht eingeladen worden, sagte eine Sprecherin der Organisation am Donnerstag.

In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten und zugleich stärksten im September des vergangenen Jahres. Der Uno-Sicherheitsrat warf daraufhin der Führung in Pjöngjang einen erneuten Verstoss gegen Resolutionen des Gremiums vor und verschärfte die Sanktionen gegen das Land.

Nur eine Geste

Ob es sich bei der Schliessung um mehr als eine Geste handelt, gilt als fraglich. Das Atomtestgelände war nach Einschätzung chinesischer Geologen durch frühere unterirdische Atomtests beschädigt und zuletzt unbrauchbar gewesen.

Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite "38 North"​des US-Korea-Instituts hatten dagegen vor der Aktion am Donnerstag geschrieben, das Gelände sei nach wie vor für Atomtests geeignet.

Pjöngjang reagierte zuletzt äusserst empfindlich auf Andeutungen von US-Politikern, dass sogenannte libysche Modell könne auch auf Nordkorea angewendet werden. Vizeaussenministerin Choe Son Hui bezeichnete US-Vizepräsident Pence am Donnerstag als "ignorant und dumm". Ob sich beide Seiten am Verhandlungstisch oder bei einer "nuklearen Machtprobe" begegneten, hänge ganz vom Verhalten der USA ab, wurde Choe von staatlichen Medien zitiert.

Pence hatte in einem TV-Interview am Montag in Anspielung auf Äusserungen Trumps gesagt, die Situation in Nordkorea werde "wie das Libyen-Modell enden, falls Kim Jong Un keinen Deal macht".

Libyen hatte vor 15 Jahren erklärt, seine Massenvernichtungswaffen im Gegenzug für die Aufhebung von Sanktionen zerstören zu wollen. Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi wurde im Oktober 2011 von Aufständischen getötet; die westlichen Atommächte unterstützten damals die Rebellen.