USA – Nordkorea

«Kim ist absolut kein Verrückter»: Das sagt ein Nuklearexperte zum Gipfeltreffen mit Trump

Donald Trump und Kim Jong Un gemeinsam auf einem Bildschirm. Treffen sie sich bald von Angesicht zu Angesicht?

Donald Trump und Kim Jong Un gemeinsam auf einem Bildschirm. Treffen sie sich bald von Angesicht zu Angesicht?

In wenigen Wochen will US- Präsident Donald Trump Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un von Angesicht zu Angesicht treffen. Was dabei auf dem Spiel steht.

Lang ist es noch nicht her, seit Kim Jong Un für Donald Trump noch «klein und fett» und der «Raketenmann» war. Nordkoreas Machthaber fand seinerseits auch keine netteren Worte für den US-Präsidenten: einen «dementen Greis» und «geistesgestört» nannte der Mann aus Pjöngjang den Herrn im Weissen Haus zu Washington. Warum die beiden Streithähne derart aufeinander losgingen, ist schnell gesagt: Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm. Kim ist inzwischen wahrscheinlich in der Lage, die USA mit Langstreckenraketen anzugreifen. Und Trump will ein atomar bewaffnetes Nordkorea, das dazu noch eine direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt, nicht akzeptieren.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Sprache ist indes eine andere geworden. Es wird nicht mehr verspottet und gedroht, sondern eingeladen: zu einem Gipfel. Ein direktes Gespräch zwischen Trump und Kim. Ende Mai oder Anfang Juni soll es stattfinden. Auf neutralem Boden, möglicherweise gar in der Schweiz: Genf ist als Schauplatz im Gespräch.

Was ist von diesem Treffen zu halten? Dürfen wir auf Entspannung hoffen? Oder sollten wir uns vor den Konsequenzen eines Scheiterns fürchten? Um Antworten auf die wichtigsten Fragen zum geplanten Gipfel zu bekommen, hat die «Nordwestschweiz» den Sicherheits- und Abrüstungsexperten Oliver Thränert an der ETH Zürich besucht. Und wollte als Erstes wissen, mit wem sich der US-Präsident da eigentlich an einen Tisch setzen will. 

Jetzt will der amerikanische Präsident den Nordkoreaner treffen, um über nukleare Abrüstung zu sprechen. Da drängt sich die Frage an den Experten auf: Gibt es berechtigte Hoffnungen, dass Kim ernsthaft auf seine Atomwaffen verzichtet? 

 Nordkoreas Machthaber betrachtet die abschreckende Wirkung seiner Atomwaffen als überlebenswichtig. Dennoch glaubt der US-Präsident offenbar, dass er Kim nuklear entwaffnen kann. Das Ziel heisst: «Denuklearisierung» der koreanischen Halbinsel. Nur: Was bedeutet das eigentlich genau? 

 Und das bliebe nicht ohne Konsequenzen. In der Folge, so Thränert, könnte sogar das Gegenteil dessen geschehen, was der amerikanische Präsident mit dem Treffen schaffen möchte – das zeige ein kurzer Blick in die Geschichte: 

 Die Tücken des möglichen Treffens sehen also so aus: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Kim ernsthaft die nukleare Abrüstung in Angriff nimmt. Und wenn, dann nur zu einem sehr hohen Preis. In letzter Konsequenz könnte das bedeuten: Mehr Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel als bisher. Und es wird noch verzwickter: Denn selbst wenn hierfür Lösungen gefunden werden sollten und die Abrüstung trotz aller Widrigkeiten beschlossen würde, bleibt ein grosses Problem: die Überwachung.

Die Chancen, dass Trump und Kim in Sachen Abrüstung substanziell weiterkommen, sind demnach recht überschaubar. Auf lange Sicht droht gar die atomare Aufrüstung. Und kurzfristig?

Und was meint der Experte: Wird der Gipfel stattfinden?

Und falls doch? 

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