Es sieht nicht danach aus, als stünde mit der neuen Regierung eine Phase der gesellschaftlichen Versöhnung bevor.

Im Gegenteil: Der Streit zwischen den verfeindeten politischen Lagern dürfte noch heftiger werden.

Dabei war es gerade die Sehnsucht der Wähler nach Stabilität, die den neuen Erfolg der AKP ermöglichte. Die Türken wollten keine Teilung der Macht in einer Koalitionsregierung, sondern klare Verhältnisse und ein Ende der politischen Dauerkrise seit der letzten Parlamentswahl im Juni.

Längst ist das Land tief zwischen Gefolgsleuten und Gegnern der AKP und von Präsident Recep Tayyip Erdogan gespalten. Oppositionsanhänger, Kurden, Linke, Akademiker, Intellektuelle, Journalisten und andere, die im Visier Erdogans und der AKP stehen, fühlen sich jetzt erst recht ins Abseits gedrängt. Zudem nährt das Verhalten der AKP-Regierung in jüngster Zeit, etwa bei der Ausschaltung kritischer Medien, bei vielen Türken den Verdacht, dass alles noch schlimmer kommen wird.

Für Erdogan persönlich ist das Wahlergebnis Sieg und Niederlage zugleich. Zwar ging seine Rechnung auf, der AKP nach dem Verlust der Parlamentsmehrheit bei der Wahl im Juni rasch wieder zu einer Mehrheit in der Volksvertretung zu verhelfen.

Doch mit seinem grossen Projekt – der Einführung eines Präsidialsystems – erlitt Erdogan erneut Schiffbruch. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate erteilten die Türken den Plänen des Präsidenten für einen Ausbau seiner Vollmachten als Staatschef eine klare Absage.

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