Nahost

Keine Anzeichen für Waffenruhe im Nahost-Konflikt

Männer in Gaza Stadt rufen um Hilfe nach einem erneuten Luftangriff der israelischen Armee

Männer in Gaza Stadt rufen um Hilfe nach einem erneuten Luftangriff der israelischen Armee

Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas gibt es vorerst keine Anzeichen für eine schnelle Waffenruhe. Während der Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen am Wochenende anhielt, setzte Israel seine Luftangriffe auf das Palästinensergebiet fort.

Seit Mittwoch wurden nach Hamas-Angaben 66 Palästinenser getötet und weit über 500 verletzt. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO mitteilte, sind unter den Opfern auch viele Frauen und Kinder.

Die Verwundeten hätten häufig schwere Verbrennungen oder Kopfverletzungen, die medizinische Versorgung sei wegen der jahrelangen Blockade des Herrschaftsgebietes der Hamas völlig unzureichend. Die WHO forderte für eine verbesserte Versorgung 7,8 Millionen Euro.

Auf israelischer Seite kamen offiziellen Angaben zufolge bisher drei Zivilisten zu Tode.

Luftangriff auf Haus in Gaza

Die israelische Armee bombardierte auch am Sonntag zahlreiche Ziele im Gazastreifen. Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Haus in Gaza wurden nach palästinensischen Angaben elf Zivilisten getötet, darunter fünf Kinder und zwei Frauen.

Zuvor hatte Israel nach eigenen Angaben ein Trainings- sowie ein Kommunikationszentrum der Hamas und das Büro des Al-Kuds-Fernsehens bombardiert. Dabei wurden nach Spitalangaben sechs palästinensische Journalisten verletzt - einer von ihnen verlor ein Bein.

Der bewaffnete Arm der Hamas feuerte derweil erneut mindestens zwei Raketen auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv - beide Geschosse wurden am Himmel von der Raketenabwehr "Iron Dome" abgefangen. Die Luftalarm-Sirenen heulten zum vierten Tag in Folge.

In Aschkelon, Beerscheva und Sderot wurden mehrere Gebäude direkt von Raketen getroffen. Ein Feuerwehrmann erlitt schwere Kopfverletzungen. Seit Mittwoch hat die Hamas nach eigenen Angaben etwa 900 Raketen abgefeuert.

Sorge vor Bodenoffensive

Die andauernde Gewalt nährte Sorgen vor einer israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: "Die Operation im Gazastreifen geht weiter, und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten."

Der britische Aussenminister William Hague warnte kurz darauf eindringlich vor einer israelischen Bodenoffensive. Dies würde Israel ein grosses Mass an internationaler Unterstützung und Sympathie kosten, sagte Hague gegenüber Sky News.

Tausende Reservisten werden nach Armeeangaben auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet. Bis zu 75'000 Israelis müssen mit einer Einberufung rechnen. Schwere Waffen wurden in Grenznähe in Stellung gebracht.

Waffenruhe möglich

Trotz der anhaltenden Gewalt erklärte ein ranghoher Palästinenservertreter, eine Waffenruhe könne kurz bevorstehen. Es gebe "ernsthafte Gespräche", eine Einigung sei noch am Sonntag oder Montag möglich. Ägyptische Kreise bestätigten die Angaben.

Israel erklärte einen Stopp der Angriffe aus dem Gazastreifen zur Bedingung für eine Waffenruhe. Dies sei die "erste und bedingungslose" Voraussetzung, sagte Aussenminister Avigdor Lieberman.

Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius traf zu Gesprächen mit beiden Seiten im Nahen Osten ein. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi beriet derweil mit der Führung der Hamas sowie den Verbündeten Katar und Türkei über Wege, die eskalierende Gewalt zu beenden.

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