Kommentar

Kein Ohr für Israels Sorgen: Die neue Regierung startet denkbar schlecht

Drei Korruptionsverfahren am Hals und Zustimmungswerte im Keller: Benjamin Netanjahu steht mit schlechten Karten da.

Drei Korruptionsverfahren am Hals und Zustimmungswerte im Keller: Benjamin Netanjahu steht mit schlechten Karten da.

Benjamin Netanjahu und sein Ex-Konkurrent Benny Gantz traten an, um Israel aus der Krise zu führen. Das ist ihnen mächtig misslungen.

Die israelische Gesellschaft – bei aller Diversität – hält in der Regel zu ihrem Staat. Seit der Gründung 1948 ist das Land für viele Juden zu einem Zufluchtsort geworden.

Der permanente Kriegszustand bringt die Israelis immer wieder dazu, ihren Staat zu unterstützen. Entsprechend wenig ausgeprägt ist die Protestkultur. Und wo Demonstrationen stattfinden, gibt es kaum Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Doch in den letzten Wochen entlädt sich der Zorn der Israelis auf offenen Strassen. Der Grund dafür: Regierungschef Benjamin Netanjahu hat das Vertrauen der Israelis in ihren Staat verspielt.

Das ist eine historische Leistung. Denn selbst über die mutmasslich korrupten Machenschaften ihres Ministerpräsidenten sahen viele Israelis bislang hinweg. Jetzt aber wird das Land von einer zweiten Coronawelle erfasst, jeder vierte ist arbeitslos, das Pflegepersonal und die Sozialarbeiter streiken.

Die Reaktion der Regierung ist beschämend. Regierungschef Netanjahu ist damit beschäftigt, Geld für die Anwälte in seinem Korruptionsprozess aufzutreiben und Steuererleichterung für sich selber durchzusetzen. Und so bricht ihm die Unterstützung erdrutschartig weg: Umfragen zeigen, dass ihm nur noch 29 Prozent vertrauen, im März waren es noch 63 Prozent.

Selbst den loyalen Israelis ist Netanjahus Mischung aus Korruption, Ignoranz und Respektlosigkeit zu viel geworden. Nachdem das Land nach drei Wahlgängen endlich eine scheinbar stabile Regierung hatte, steuert Israel geradewegs auf die nächste Krise zu.

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