USA

Kehrtwende und ein neues Bild im Fall Trayvon Martin

Das eine Bild zeigt Trayvon mit 12, das andere Bild mit 17 Jahren.

Das eine Bild zeigt Trayvon mit 12, das andere Bild mit 17 Jahren.

Dieser Fall reisst ihn den USA alte Wunden auf. Der 17-jährige Afroamerikaner Trayvon Martin wurde auf offener Strasse erschossen. Jetzt kam aus, dass das Opfer den Täter vorher attackiert haben soll. Zudem wurde ein aktuelles Bild publiziert.

Neue Entwicklung im Fall Trayvon Martin, dem 17-jährigen Afroamerikaner, der Ende Februar in einer noblen Vorortssiedlung bei Orlando (Florida) von einem Wachmann erschossen worden war: Demnach griff der Todesschütze George Zimmerman erst zu seiner Waffe, nachdem ihn Martin attackiert hatte. Bisher war die Öffentlichkeit davon ausgegangen, dass es sich bei Zimmerman um den eigentlichen Aggressor gehandelt habe, und bei Martin um das unschuldige Opfer.

Dieses Bild ergab sich aus den veröffentlichten Mitschnitten der Telefonanrufe, die Zimmerman auf die Notfallnummer 911 der Polizei getätigt hatte. Darin liess sich der 28-Jährige über einen Jugendlichen aus, der durch die Vorortssiedlung marschierte und aufgrund seines Kapuzenpullovers verdächtig aussah – dabei befand sich Martin bloss auf dem Weg zum Haus seines Vaters. Bei der Beschreibung des Jugendlichen griff Zimmerman wohl auch auf ein rassistisches Schimpfwort zurück. Nun aber deuten Aussagen, die Zimmerman gegenüber der Polizei gemacht hat, darauf hin, dass er sich den Ratschlag der Polizei zu Herzen genommen, und von den Verfolgung Martins abgesehen hatte. Demnach befand er sich auf dem Weg zurück zu seinem Geländewagen, als er unvermittelt durch den Jugendlichen konfrontiert worden sei.

«Hast du ein Problem?»

«Hast du ein Problem?» sei er von Martin gefragt worden. Er, Zimmerman, habe geantwortet: Nein, und zu seinem Mobiltelefon gegriffen. Darauf habe ihm der schwarze Jugendliche zugerufen: «Nun hast du eins», und ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Es folgte ein heftiges Gerangel, im Laufe dessen Martin den Kopf des Wachmanns mehrmals gegen den Strassenbelag schlug. Zimmerman soll um Hilfe geschrien haben, wie auch von einem Zeugen bestätigt wird. Schliesslich griff er zur Waffe. Als die Polizei zwei Minuten später am Tatort eintraf, war Martin tot und Zimmerman wies eine klaffende Kopfwunde und eine blutige Nase auf. Er musste sich in ärztliche Behandlung begehen.

Von der Schule suspendiert

Diese Aussagen waren eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt; am Montag berichtete die Zeitung «Orlando Sentinel» aber ausführlich darüber. Gleichzeitig veröffentlichte der «Miami Herald» unschöne biografische Details aus dem Leben Trayvon Martins; so war der Jugendliche kurz vor seinem Tod von seiner Schule suspendiert worden. Bei den Angehörigen des 17-jährigen Opfers sorgten diese Artikel für Empörung. Seine Mutter sagte: «Zuerst töteten sie meinen Sohn, nun wollen sie seinen Ruf schädigen.»

Aktuelles Bild des Opfers aufgetaucht

Zudem kursiert in den USA ein neues Bild von Trayvon Martin. Dieses zeigt Trayvon nicht als den niedlichen 12-jährigen Jungen, sondern als 17-Jähriger mit Goldzähnen, der sich gut in einem Gangsta-Rap-Video machen würde. Das erste Bild wurde von den Eltern von Trayvon veröffentlicht, das zweite stammt angeblich vom Twitter-Account des Opfers.

Tausende von Menschen versammelten sich derweil am Montagabend zu einer Solidaritätskundgebung in Sanfort, darunter auch landesweit bekannte Bürgerrechtler und Aktivisten wie Al Sharpton und Jesse Jackson. Die Demonstranten forderten eine unparteiische Untersuchung des Vorfalls und einen fairen Gerichtsprozess gegen Zimmerman. Mittlerweile haben sowohl Florida als auch das Justizministerium entsprechende Ermittlungen über den Vorfall aufgenommen.

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