Pistenstreit

Kanzler Kurz greift durch: Österreich schickt Schweizer Skitouristen in Quarantäne

Zu solchen Menschenansammlungen soll es in Ischgl in dieser Saison nicht kommen. Deshalb gilt: Skifahren, ja; Bewirtung und Beherbergung, nein.

Zu solchen Menschenansammlungen soll es in Ischgl in dieser Saison nicht kommen. Deshalb gilt: Skifahren, ja; Bewirtung und Beherbergung, nein.

Die Skipisten in den österreichischen Wintersportorten sollen offen bleiben, Hotels müssen jedoch schliessen. Die neuen Regeln für Einreisende treffen auch Schweizer Tagestouristen.

Im Skistreit zwischen Österreich und vor allem Deutschland und Italien schafft Wien vollendete Tatsachen. Es ist ein Kompromiss, wie er österreichischer nicht sein könnte. Knapp zusammengefasst: Skifahren, ja; Bewirtung und Beherbergung, nein.

Die Skigebiete dürfen also öffnen, die Gastronomie, vor allem aber Hotels und Pensionen bleiben über Weihnachten zu. Der Skibetrieb wird damit zum Spass für Tagesgäste. Und um das noch zu unterstreichen: Für nach Österreich Einreisende gelten ab kommender Woche weitreichende Quarantäne-Regelungen. In Isolation muss demnach ausnahmslos jeder, der aus einem Staat einreist, in dem die Inzidenz über 100 liegt. «Frei-testen» kann man sich aus dieser Lage erst nach fünf Tagen. Das gilt nicht nur für EU-Staaten, sondern auch für die Schweiz.

Damit kommt die Regierung in Wien den Mindestforderung der Seilbahnbetreiber nach. Die hatten zuletzt in fast schon drohendem Ton eine Öffnung des Skibetriebs gefordert. Der Seilbahn-Lobbyist und Nationalratsabgeordnete Franz Hörl (ÖVP) ortete eine «unfaire Kampagne gegen Wintersport und Skiurlaub». Wintertourismus und Seilbahnen dürften nicht «ungerechtfertigt zum Opfer einer stimmungsmachenden Coronapolitik werden».

Skitourismus macht grossen Teil der Wertschöpfung aus

Die Sache war zuletzt zu eine Frage des Prinzips geworden: Auch, wenn sich grosse Verluste abzeichneten, und nur heimische Gäste kämen, wolle man öffnen, so Hörl. Sein Argument: Es gehe um die wirtschaftliche Rettung der Regionen. Denn tatsächlich macht der Skitourismus in den betreffenden Gebieten einen grossen Teil der lokalen Wertschöpfung aus. Und nicht zuletzt fussen viele der Investitionen in diesen Regionen auf Krediten, die es abzuzahlen gilt.

Skifahren wird also zur «partyfreien Zone», wie Hörl auf Nachfrage sagt. Doch genau daran gibt es durchaus Zweifel. Denn schon ist davon die Rede, dass man den Skifahrern am Berg ein Mindestmass an Verpflegung zur Verfügung stellen werden müsse. Und «Mindestmass» ist ein dehnbarer Begriff. Hüttenzauber ist zwar abgesagt, Punschseeligkeit am Kiosk damit aber nicht ausgeschlossen. «Und wer soll das kontrollieren und etwaige Verstösse ahnden?», fragen Kritiker. «Der Dorfpolizist?»

Zahl der Neuinfektionen ist nach wie vor hoch

Am Mittwoch gab die Regierung in Wien bekannt, wie es ab kommendem Montag über die Skiferien hinaus weitergehen soll. Der harte Lockdown hat die Zahlen zwar nach unten gedrückt, allerdings liegt die Inzidenz nach wie vor bei 335 und die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist nach wie vor besorgniserregend hoch.

So sind die ab kommenden Montag geltenden Lockerungen auch eher bescheiden. Nur die Schulen gehen wieder in den Präsenz-Unterricht und der Handel öffnet wieder – allerdings unter Auflagen wie Zutritts-Beschränkungen. Alle körpernahen Dienstleistungen, vom Coiffeur bis zum Massagesalon, bleiben bis auf weiteres Untersagt. Faktisch entspricht das einer Rückkehr zu jenem Lockdown-light, der vor dem jetzt seit zweieinhalb Wochen geltenden harten Lockdown galt – und der sich rein was die Zahlen angeht kaum bis gar nicht niedergeschlagen hatte.

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