Klimawandel

Kanada zieht sich formell vom Kyoto-Protokoll zurück

Eisschollen in der Baffin Bay zwischen Grönland und dem kanadisch-arktischen Archipel (Archiv)

Eisschollen in der Baffin Bay zwischen Grönland und dem kanadisch-arktischen Archipel (Archiv)

Kanada hat als erstes Land seinen Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll erklärt. Das Abkommen sei eher ein «Hindernis» als der «Weg nach vorn» zu einer weltweiten Lösung im Kampf gegen den Klimawandel, sagte der kanadische Umweltminister Peter Kent - nur einen Tag nach dem Ende der UNO-Klimakonferenz in Südafrika.

"Wir berufen uns auf das Recht Kanadas, formell aus Kyoto auszusteigen", sagte Kent am Montag (Ortszeit) in Ottawa. Sein Land sei der Auffassung, dass im Kampf gegen die Erderwärmung nur rechtlich bindende Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase für alle Klimasünder sinnvoll seien.

Kanadas Ausstieg hat vermutlich auch finanzielle Gründe: Das nordamerikanische Land hatte sich mit dem Kyoto-Protokoll dazu verpflichtet, bis 2012 seinen Ausstoss an klimaschädlichem CO2 um sechs Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken.

Dieses Ziel hätte das Land weit verfehlt. Mit dem Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll umgeht Kanada nun eine Busse in Höhe von 14 Milliarden kanadischen Dollar (12,7 Milliarden Franken).

Weitere Ausstiegskandidaten

Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll ist das bislang einzige globale Klimaschutzabkommen, das verbindliche Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen macht. Ratifiziert haben es mehr als 190 Staaten.

Allerdings gelten die Emissionsvorgaben nur für insgesamt 37 Industriestaaten - nicht für Schwellen- und Entwicklungsländer wie China oder Indien. Dies hatte Kanada bereits in der Vergangenheit kritisiert.

Auf dem Weltklimagipfel im südafrikanischen Durban hatten die Delegierten aus mehr als 190 Staaten nach Marathonsitzungen am Sonntag einen Fahrplan hin zu einem neuen globalen Klimaschutzabkommen beschlossen. Demnach soll bis 2015 ein neuer Vertrag ausgehandelt werden. Dieser soll ab 2020 wirksam werden.

Damit keine Lücke entsteht, soll das im nächsten Jahr auslaufende Kyoto-Protokoll fortgeschrieben werden. Neben Kanada zeigten sich noch andere Länder wie Japan und Russland unwillig, sich mit diesem Regelwerk weiter verpflichten zu lassen.

Internationale Entrüstung

Scharfe Kritik am Vorgehen Kanadas kam von China. Der Schritt laufe "den Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zuwider", erklärte der Sprecher des Aussenministeriums, Liu Weimin, am Dienstag.

Er hoffe, Kanada werde seinen Verpflichtungen nachkommen und sich an den internationalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel beteiligen. China ist weltweit der grösste CO2-Emittent, besteht aber darauf, als Entwicklungsland von verbindlichen Verschmutzungsbegrenzungen ausgenommen zu werden.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Bern bezeichnete den Entscheid Kanadas in einer Medienmitteilung als enttäuschend, während Frankreichs Aussenministerium von "schlechten Nachrichten" für die Bemühungen gegen den Klimawandel sprach.

Deutschland zeigte sich dagegen nicht überrascht. Der Ausstieg des Landes sei "schon lange angekündigt" gewesen, erklärte eine Sprecherin des Umweltministeriums.

Umweltorganisationen reagierten ausnahmslos mit scharfer Kritik.

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