Nizza-Anschlag

Journalist aus Nizza sah die Gräueltat: «Er fuhr hin und her – Ich hörte Schreie, die ich niemals vergessen werde»

Grosseinsatz für Sanitäter: Verletzte an der Promenade des Anglais werden versorgt.

Grosseinsatz für Sanitäter: Verletzte an der Promenade des Anglais werden versorgt.

Ein weisser LKW, der mitten in eine Menschenmenge rast und immer weiter fährt. Augenzeugen schildern die Tat an der Promenade des Anglais in Nizza. Einer davon ist der deutsche Richard Gutjahr. Er war zufällig vor Ort.

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"Schreie, die ich nie vergessen werde"

Damien Allemand, Journalist der Zeitung "Nice Matin" wollte sich gerade auf den Heimweg machen, als er plötzlich Lärm und Schreie hörte. "Mein erster Gedanke war: Ein Verrückter wollte sein kleines Feuerwerk zünden und hatte es nicht unter Kontrolle", erzählte Allemand.

"Einen Sekundenbruchteil später kam ein riesiger weisser Lastwagen mit irrer Geschwindigkeit auf die Menschen zu und lenkte hin und her, um ein Maximum an Menschen umzufahren." Der Lastwagen sei einige Meter an ihm vorbeigefahren, aber er habe das Geschehen zunächst nicht einordnen können.

"Ich habe Menschen wie Bowlingkegel durch die Luft fliegen sehen, als er vorbeifuhr. Lärm und Schreie gehört, die ich niemals vergessen werde. Ich war wie gelähmt." Erst als er verstanden habe, was vor sich ging, sei er mit anderen Menschen davongelaufen.

Dann habe er aber wissen wollen, was passiert sei, und sei auf dem Mittelstreifen der Uferpromenade zum Lastwagen zurückgelaufen. Ein Mann habe ihm zugeflüstert: "Es sind überall Tote." Strandpächter hätten die Verletzten mit Wasser versorgt und die Leichen mit Handtüchern bedeckt.

Auf einmal sei erneut Panik ausgebrochen, als Menschen riefen: "Er kommt wieder! Er kommt wieder!" Doch da habe der von Kugeln durchsiebte Lastwagen seine Fahrt schon beendet gehabt. "Dieser Abend war der Horror", sagte Allemand. 

Journalist Richard Gutjahr im ARD-Morgenmagazin

Eigentlich wollte er vom Balkon seines Hotelzimmers nur das Feuerwerk betrachten. Doch als plötzlich ein weisser LKW auf der Promenade auftaucht, greift der Journalist Richard Gutjahr instinktiv zur Handykamera und filmt die schrecklichen Szenen, die folgen. Am nächsten Morgen spricht er mit dem ARD-Morgenmagazin über seine Erlebnisse von vergangener Nacht.

Journalist Richard Gutjahr erlebte den Anschlag in Nizza live mit und berichtet dem Morgenmagazin auf ARD.

Journalist Richard Gutjahr erlebte den Anschlag in Nizza live mit und berichtet dem Morgenmagazin auf ARD.

Der deutsche ARD-Journalist Richard Gutjahr war während des Anschlags privat in Nizza. Er filmte aus nächster Nähe, wie der Lastwagen in die Menschenmenge fuhr.

SWR-Reporterin Janine Konopka

"Der Riesen-LKW muss wirkich in einem Afffenzahn auf uns zugerast sein. Ich habe meine Mutter auf die Seite geschubst. Hinter mir sind sämtliche Leute und Kinder umgefallen. Es war furchtbar. Kurz danach hab ich meine Mutter aufgehoben, wir haben Schüsse gehört und uns hinter einer Palme versteckt."

Zeugen-Videos: Lastwagen rast am 14. Juli 2016 an der bei Touristen beliebten Strandpromenade von Nizza zwei Kilometer durch eine Menschenmenge.

Zeugen-Videos: Lastwagen rast am 14. Juli 2016 an der bei Touristen beliebten Strandpromenade von Nizza zwei Kilometer durch eine Menschenmenge.

Richard Gutjahr, deutscher Journalist zum "Spiegel":

"Ein Motorradfahrer fuhr an den LKW heran und versuchte vergeblich, während der Fahrt die Fahrertür zu öffnen. Das war wie in einem Kinofilm. An der Kreuzung haben Polizisten das Feuer eröffnet, dann hat der Fahrer Gas gegeben und die ersten Menschen überfahren. Ob wegen der Schüsse oder ob er es genauso geplant hat, kann ich nicht beurteilen."

Zeuge sagte gegenüber dem TV-Sender "iTéle":

"Wir waren dem Tod nahe. Wir haben gedacht, dass er uns erwischt. Der LKW fuhr Zickzack, wir wussten nicht, wo wir hin sollten. Ich bin nach rechts gelaufen, meine Frau nach links. Sie wurde nur um einen Meter verfehlt. Der LKW zerriss alles. So etwas haben wir noch nie gesehen. Einige Leute haben sich an die Türe gehangen, um den LKW zu stoppen."

Julien zu 20minutes.fr:

"Wir waren auf Höhe des Hotel Negresco. Der LKW fuhr in irrer Geschwindigkeit an uns vorbei, bestimmt 90 km/h. In einer Sekunde war er vorbei. Ich habe danach viele Körper auf der Straße liegen sehen - Menschen mit zerquetschten Beinen, überrollten Köpfen. 100 oder 200 Meter weiter habe ich dann Schüsse gehört. Es gab viele Opfer."

Augenzeuge Jimmy Ghazal im Fernsehsender ABC

«Tausende Menschen versammelten sich an der Promenade, um das Feuerwerk sehen. Nachdem das Feuerwerk fertig war, blieben die Leute an der Promenade, spazierten umher, laute Musik wurde gespielt. Dann hörte ich plötzlich Lärm, Leute fingen an zu schreien, Schüsse waren zu hören. Die Leute rannten in alle Richtungen davon. Dann sah ich einen weissen Truck durch die Fussgängerzone fahren.»

Weitere Augenzeugin zur BBB:

«Jeder sagte mir: ‹Renn, renn, renn.› Ein Kameramann hat mir gesagt: ‹Renn›. Ich war zuerst neugierig, dann bin ich auch gerannt. Es ist so paradox, dass der Anschlag ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag stattgefunden hat.» 

Augenzeuge Joel Fenster zu BBC:

«Wir waren am Strand, haben die Feierlichkeiten gesehen. Dann begannen Leute zu rennen, wir hörten Schreie. Es war völlig unklar, was passiert ist. Wir wussten nicht, wohin wir rennen sollten. Uns war nur klar, dass wir so schnell wie in Deckung müssen.»

Damian Allemande, Reporter des Nice-Matin

«In der Ferne ein Rauschen. Schreie. Mein erster Gedanke: Da konnte sich jemand mit seinem eigenen Feuerwerk nicht beherrschen. Einen Sekundenbruchteil später sah ich einen riesigen weissen LKW mit rasender Geschwindigkeit auf die Menschen zufahren (...). Ich sah Körper wie Kegel umherfliegen.» (nch/sda)

Tele M1 und Tele Züri berichten ab 12 Uhr live mit einer Sondersendung.

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