US-Wahlen

Jetzt spricht die Erfinderin des Romney-Girls

Das Obama-Wahlkampfvideo, welches zurzeit in aller Munde ist: I'm a Romney Girl

Das Obama-Wahlkampfvideo, welches zurzeit in aller Munde ist: I'm a Romney Girl

Die Demokraten nehmen erstmals zum Protest der Schweiz gegen das Wahlkampfvideo-Video mit dem so genannten «Romney Girl» Stellung: Das ganze sei «nicht böse» gemeint, heisst es. Aber auch: «Politik in Amerika ist kein Kinderspiel»

Fantasie haben sie ja, die amerikanischen Linken. Nachdem ein Internet-Video über das «Romney Girl» in den USA und in der Schweiz Wellen geschlagen hatte, reagierte der «Schweizer Feger» («Swiss Vixen») gestern mit einer Presseerklärung. Im gebrochenen Englisch verkündete das «Romney Girl», dass sie die Proteste der Schweizer gegen die Darstellung ihres Heimatlandes «doof» finde: Ihre Landsleute sollten «glücklich sein. Ich zeige auf, wie gut ein Leben ohne Steuern ist», heisst es in der Mitteilung. «Mitty kann Präsident werden, und dann allen reichen Amerikanern sagen, wie sie ihr Geld auf einem Schweizer Bankkonto verstecken können.»

Bei «Mitty» handelt es sich um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Der Multi-Millionär steht unter Dauerbeschuss der Demokraten, weil er keinen vollständigen Einblick in seine privaten Finanzen gewähren will. Die meisten Fragen der Verbündeten von Präsident Barack Obama kreisen dabei um ein UBS-Konto, das unter dem Namen von Gattin Anne Romney von 2003 bis 2010 bestanden hatte.

Heidi aus Ostermundigen

Die progressive Gruppierung «Agenda Project Action Fund» lancierte deshalb zu Monatsbeginn ein drei Minuten langes Musikvideo, in dem ein Romney-Doppelgänger gezeigt wird, der sich mit einer fiktiven UBS-Angestellten – voller Name: Heidi Svenda Bernasconi, ehemaliger Wohnort: Ostermundigen – vergnügt. Dazu trällern die beiden ein Lied zur Melodie des Aqua-Schlagers «Barbie Girl». Das «Romney Girl», ist auf einer eigens eingerichteten Internet-Seite zu lesen, soll den Republikaner vor einigen Jahren in Genf kennen gelernt haben, als er in ihrer Bankfiliale regelmässig mit 100-Dollar-Scheinen um sich warf.

Ziel der Kampagne, sagt Initiatorin Erica Payne im Gespräch, sei es auf «sehr aggressive Art und Weise» darauf aufmerksam zu machen, dass Romney es nicht für nötig halte, volle Transparenz über seine privaten Vermögensverhältnisse zu schaffen. «Er ist der erste Präsidentschaftskandidat, der ein Bankkonto in der Schweiz besass.» Sie bezweifle auch, dass sich Romney stets an amerikanische Gesetze gehalten habe, sagt Payne. Die 42-jährige Polit-Strategin ist seit Jahren am linken Flügel der Demokraten aktiv, ihre Gruppierung steht allerdings nicht unter der Kontrolle von Präsident Barack Obama.

Pointierte Töne nötig

Angesprochen auf die Proteste aus der Schweiz gegen die Darstellung der Eidgenossenschaft, lacht Payne bloss. «Politik in Amerika ist kein Kinderspiel», sagt sie, deshalb habe man zu pointierten Tönen greifen müssen. Ihre Botschaft an die Schweiz? «Es ist nicht böse gemeint.»

Ob diese Botschaft in Bundesbern auf Verständnis stossen wird, ist allerdings offen. Bereits vor der Lancierung des «Romney-Girl»-Videos sah sich die Schweizer Botschaft in Washington zu einer Intervention bei Obamas Wahlkampfstab veranlasst – nachdem diverse Spots den Eindruck vermittelt hätten, Schweizer Bankkonten seien anrüchig. «Unser Anliegen ist auf Verständnis gestossen, ohne dass Zusicherungen gegeben wurden», kommentierte eine Botschaftssprecherin.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1