Schuldenkrise

Jetzt hofft Europa auf den EU-Insider Lucas Papademos in Athen

Lucas Papademos. Keystone

Lucas Papademos. Keystone

Der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, soll die Übergangsregierung anführen.

«Gesucht: Ein Regierungschef für Griechenland.» – Giorgos Papandreou ist Geschichte, seine umstrittene Idee eines Referendums zur Rettung vor dem Staatsbankrott und zur Euro-Mitgliedschaft zurückgenommen und Griechenland auf dem Weg zur Bildung einer Notregierung. Doch wer hat überhaupt noch Lust auf den Job des griechischen Premierministers?

Der gescheiterte Papandreou hat bis zuletzt davon geträumt, für ein halbes Jahr eine politische Regierung aus seiner sozialistischen PASOK und der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) zu bilden. Doch die ND liess Papandreou im Regen stehen und forderte stattdessen eine Übergangsregierung, die aus Experten, und nicht aus Politikern besteht.

Als möglicher Technokraten-Chef und möglicher Nachfolger von Papandreou wurde gestern vor allem Lucas Papademos genannt, der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Der 65-jährige Finanzwissenschafter würde aufgrund seines Lebenslaufs sicherlich das nötige Rüstzeug für die Mission impossible mitbringen.

Professor in New York und Athen

Lucas Papademos wurde 1947 in Athen geboren und studierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA. Ursprünglich Physiker und Elektrotechniker, wechselte er in Boston seine Studienrichtung und promovierte 1977 in Wirtschaftswissenschaften. Am MIT und später an der renommierten Columbia University in New York begann Papademos eine akademische Laufbahn als Wirtschaftsprofessor. 1988 erhielt er eine Professur für Ökonomie an der Athener Universität und wechselte in seine Heimat zurück.

Gleichzeitig wurde er auch Chefökonom der griechischen Nationalbank. 1994 wurde der parteilose Papademos vom sozialistischen Premier Andreas Papandreou zum Gouverneur der Nationalbank berufen. Als Notenbankchef gehörte Papademos auch dem Rat der Europäischen Zentralbank an. Die Einführung des Euro in Griechenland zum Zahlungsmittel auf den 1. Januar 2002 regelte Papandreou geräuschlos.

Im April 2002 bestimmten die Finanzminister der EU den Griechen zum Stellvertreter von EZB-Präsident Wim Duisenberg. Papademos Erfahrung, ein ärmeres Land an den Standard der Europäischen Währungsunion heranzuführen, erschien angesichts der absehbaren Erweiterung des Euroraums durch künftige EU-Mitglieder als Vorteil. Am EZB-Sitz in Frankfurt betreute Papademos auch die Planungen für den «Skytower», den Neubau des Hauptsitzes. Bei der EZB gewann Papademos (ab 2003 als Vize von Jean-Claude Trichet) grosses Ansehen als Pragmatiker par excellence.

Blütenweisse Weste

Als im Zuge der globalen Finanzkrise ab Mitte 2009 zunehmend auch Griechenland in die Kritik geriet und die Aufnahme des Landes in den Euro-Raum weitherum als Fehler betrachtet wurde, blieb Papademos’ Weste blütenweiss. Denn als Notenbankchef hatte der Wirtschaftsprofessor die Regierung in Athen nachweislich massiv zu finanzpolitischer Disziplin gedrängt.

Im Mai 2010 schied Papademos turnusgemäss nach achtjähriger Amtszeit bei der EZB aus. Der Musikliebhaber und Gatte einer Kunstmalerin genoss nun die schönen Seiten des Lebens. Doch damit dürfte es nun vorbei sein. Die Pflicht ruft, und die Stimmen mehren sich, dass der EU-Insider Lucas Papademos der beste Retter in der Not für die Rettung Griechenlands aus der Schuldenkrise ist. Einen erfahreneren Ökonomen gibt es im Land nicht.

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