Der Journalist Jamal Khashoggi wollte am 2. Oktober lediglich Dokumente für seine tags darauf geplante Hochzeit abholen. Kurz nach Betreten des saudischen Konsulats in der türkischen Metropole Istanbul war er tot. Der Fall dominierte über Wochen die Schlagzeilen. Dabei ist es nichts Ungewöhnliches, dass Saudi-Arabien hart gegen Regimekritiker vorgeht.

Das Besondere am Fall Khashoggi war die Dreistigkeit und Grausamkeit, mit der die saudische Führung einen nicht genehmen Journalisten im Ausland ausschalten liess – und dies danach über Wochen abstritt. Inzwischen ist klar, dass Khashoggi im Konsulat getötet worden ist. In Saudi-Arabien wurden fünf Personen wegen Verwicklung in diese Tat festgenommen. Die Staatsanwaltschaft fordert für sie die Todesstrafe.

Das geopolitische Pfund der Saudis

Es ist vermutlich die nächste Dreistigkeit der Saudis in diesem Fall. Der Verdacht liegt nahe, dass die Verhafteten bloss Bauernopfer sind. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Ermordung Khashoggis vom mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman mindestens gutgeheissen wurde.

Der Kronprinz steht weltweit in der Kritik. Das Geschäften mit Saudi-Arabien ist für westliche Staaten nicht mehr so einfach wie vor dem 2. Oktober. Der öffentliche Druck, den Mord zu sanktionieren, wird immer grösser. Soll die Todesstrafe für die Khashoggi-Mörder dazu dienen, den Status ante quem wiederherzustellen?

Glaubwürdig ist dies nicht. Gleichwohl werden sich die Wogen wohl glätten. Zu wichtig ist Saudi-Arabien als Handelspartner. Noch wichtiger ist das Land aber aus geostrategischer Perspektive als Widersacher des Iran im Nahen und Mittleren Osten.