Die Links-Allianz um den Sozialdemokraten Pier Luigi Bersani lag am Montag Hochrechnungen zufolge in der Abgeordnetenkammer knapp in Führung; doch im gleichberechtigten Senat dürften der langjährige Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sein Rechtsbündnis triumphieren.

Auch in der Abgeordnetenkammer war es allerdings knapp: Der Vorsprung von Bersanis Allianz, die in Umfragen lange in Führung gelegen hatte, schmolz am Abend auf einen halben Punkt zusammen. In der Kammer kann die Linke dank des italienischen Wahlrechts mit einem Bonus für die stärkste Partei rechnen und käme damit auf 340 der 630 Sitze.

Der Hochrechnung des Rai-Fernsehsenders zufolge entfielen auf die Mitte-Rechts-Koalition Berlusconis 121 Sitze und auf Beppe Grillos Anti-Establishment-Bewegung "Fünf Sterne" 111 Sitze. Der bisherige Regierungschef Mario Monti käme demnach mit seinem Bündnis der bürgerlichen Mitte auf 45 Abgeordnete.

Im Senat, dessen Sitze in den Regionen vergeben werden, zeigt sich ein anderes Bild: Linke und Rechte lagen dort mit je 30,7 Prozent gleichauf. Da die Mandate jedoch entsprechend der Einwohnerzahl verteilt werden, ergaben sich nach einer Hochrechnung des Senders Rai für Berlusconi 113 Sitze, während auf die Linke nur 105 Senatoren entfallen.

Eigentlicher Gewinner ist Grillo, der mit seiner Protestbewegung aus dem Stand über 25 Prozent holte. Im Senat wurden für Grillo 63 und für Montis Zentrums-Bewegung 20 Sitze vorhergesagt.

Sollten die Zahlen bestätigt werden, könnte sich die Bildung einer soliden Regierung als schwierig erweisen - denn eine stabile Regierung ist nur garantiert, wenn eines der Lager die Mehrheit in Abgeordnetenkammer und Senat erringt.

Berlusconi kann linke Regierung blockieren

Der skandalumwitterte Berlusconi, der an den Finanzmärkten als Hauptverantwortlicher für Rezession und Schuldenkrise gilt, dürfte sein Ziel erreichen, mit der Senatsmehrheit eine linke Regierung zu lähmen. "Die Hochrechnungen deuten darauf hin, dass wir in die Unregierbarkeit steuern", sagte der Politiker Mario Secchi, der für Montis Bewegung kandidiert hatte.

Der Vizechef der Demokratischen Partei (PD), Enrico Lotta, sagte, das Wahlergebnis sei ein schwerer Rückschlag für Europa und seine Gemeinschaftswährung. "Sollte sich das Ergebnis bestätigen, dann haben 55 bis 60 Prozent der italienischen Wähler brutal gegen den Euro, Europa, Merkel und Deutschland gestimmt."

Gut 75 Prozent der wahlberechtigten Italiener gaben laut Innenministerium ihre Stimme ab. 2008 waren es rund 81 Prozent gewesen.
Börsen ernüchtert

Die Märkte reagierten mit Ernüchterung auf die unklare Lage in Italien. Auch der Euro geriet stark unter Druck, am Anleihemarkt machte sich Nervosität bemerkbar.

Italien steckt seit Jahren in einer Krise und stöhnt unter hohen Schulden, die im Vergleich zur Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone nur von Griechenland übertroffen werden. Die Arbeitslosigkeit ist vor allem bei jungen Leuten hoch.

Nach dem Rücktritt des parteilosen Regierungschefs Monti hatte Staatschef Giorgio Napolitano im Dezember das italienische Parlament aufgelöst. Die Parlamentswahl wurde daraufhin leicht vorgezogen.