Die Vorstellung, dass eine homosexuelle Familie für das ausgeglichene Wachstum eines Kindes schädlich sei, basiere nicht auf "wissenschaftlichen Gewissheiten", sondern lediglich auf einem Vorurteil, hiess es in der Begründung des Kassationsgerichts in Rom.

Die Behauptung, dass das Umfeld eines homosexuellen Paares nachteilig für das Kind sei, "setzt etwas voraus, was zu beweisen ist, nämlich die Schädlichkeit eines solchen Familienkontexts", erklärte das Gericht. Es urteilte nach der Klage eines Mannes, der nach der Trennung von seiner Partnerin das Sorgerecht für das gemeinsame Kind an die Mutter verloren hatte. Diese lebt inzwischen in einer lesbischen Beziehung.

Die Schwulenrechtsorganisation Arcigay sprach am Freitag von einem "historischen Urteil". Die Frage der Rechte homosexueller Paare sorgt im tiefkatholischen Italien immer wieder für erregte Debatten. Nach Ansicht der katholischen Kirche basiert die "wahre" Familie auf der Ehe von Mann und Frau.