Erdbeben in Italien

Italien ruft den Notstand aus: Mehr als 900 Nachbeben – erste Plünderungsversuche

Nach der Erdbebenkatastrophe in Italien hat die Regierung in Rom den Notstand und einen Tag der nationalen Trauer ausgerufen. Zugleich suchen Retter noch immer nach Opfern.

An diesem Samstag sollen alle Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Gedenken an die Hunderten Opfer landesweit auf halbmast gesetzt werden. In Ascoli Piceno wurde Staatspräsident Sergio Mattarella zu einer Trauerfeier für die Toten der Region Marken erwartet. Zuvor wollte er den stark verwüsteten Ort Amatrice in Latium besuchen, wo es ebenfalls eine Trauerfeier für die Opfer geben soll - wo und wann, war zunächst unklar.

Bei der Erdbebenkatastrophe kamen nach Angaben des Zivilschutzes vom Freitag mindestens 267 Menschen ums Leben, 387 wurden verletzt ins Spital gebracht. Mehr als 900 Nachbeben seit den schwersten Erdstössen in der Nacht zum Mittwoch versetzten Überlebende in Angst und Schrecken.

Ganze Dörfer sind verwüstet. Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. "Wir haben die moralische Pflicht gegenüber den Frauen und Männern dieser Gemeinden", sagte Renzi nach einer Krisensitzung des Ministerrats am Donnerstagabend. "Der Wiederaufbau dieser Dörfer ist die Priorität der Regierung und des Landes."

Renzi: "Hausaufgabe für die Zukunft"

Zudem rief der Ministerrat den Notstand aus und sagte Hilfsgelder von 50 Millionen Euro zu. Auch die Erdbebenvorsorge müsse verbessert werden. "Das muss unsere Hausaufgabe für die Zukunft sein", so Renzi.

Der Erdbebenschutz wurde auch nach dem schweren Erdbeben von L'Aquila mit 309 Toten vor sieben Jahren verbessert, die Regeln werden jedoch oft nicht umgesetzt. Viele der alten Häuser waren am Mittwoch innerhalb von Sekunden in sich zusammengebrochen. Wie viele Menschen noch verschüttet oder vermisst sind, war weiter unklar.

Das stärkste Nachbeben ereignete sich am Freitag um 6.28 Uhr und hatte nach Angaben der italienischen Erdbebenwarte eine Stärke von 4,8. Das Zentrum lag demnach in elf Kilometern Tiefe in der Provinz Rieti, nicht weit von dem Ort Amatrice entfernt. Dort gab es im Zentrum weitere Einstürze, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Erste Plünderungsversuche

Derweil gab es auch erste Versuche der Plünderung. In Amatrice wurde ein Mann festgenommen, der in ein Haus eindringen wollte, teilte die Polizei mit.

Auch mehr als 50 Stunden nach der Katastrophe suchten Retter am Freitag in Amatrice weiter nach Überlebenden. Feuerwehrsprecher Luca Cari sagte, noch bestehe die Aussicht, Überlebende unter den Mauerbergen zu finden. "Noch sind wir in der Phase der Hoffnung", sagte der dem Sender RAI.

Unter meterhohen Schuttbergen in mehreren stark betroffenen Orten der mittelitalienischen Regionen Marken und Latium werden noch weitere Tote vermutet.

Bei dem Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 6 waren in der Nacht zu Mittwoch tausende Menschen obdachlos geworden. Besonders betroffen sind die Orte Amatrice und Accumoli in der Region Latium und Pescara del Tronto in den Marken.

Meistgesehen

Artboard 1