Kuba

Ist Miguel Díaz-Canel Kubas Gorbatschow?

Miguel Diaz-Canel, Kubas Vizepräsident

Miguel Diaz-Canel, Kubas Vizepräsident

Der kubanische Vizepräsident gilt als Mann der Stunde. Die Nummer zwei auf der Insel hat reelle Chancen, dereinst in den Regierungssitz in Havanna einzuziehen. Es wäre der erste Premier, der nicht mit Fidel Castro gekämpft hat.

Zwar ist das Präsidentenamt in Kuba erst 2018 wieder zu haben, doch Mann der Stunde ist seit einigen Wochen ganz klar Miguel Díaz-Canel, Kubas erster Vizepräsident seit Ende Februar und damit Raúl Castros neue Nummer Zwei. Der 52-jährige Díaz-Canel gilt als der von den Castro-Brüdern ausgewählte Kronprinz. Angesichts des fortgeschrittenen Alters von Präsident Raúl Castro (81), muss Díaz-Canel vielleicht nicht einmal bis 2018 warten, bis er in den Regierungssitz in Havanna einziehen darf.

Kuba ohne Castro? Undenkbar!

Miguel Díaz-Canel ist im Moment nur gerade einen Herzschlag entfernt von der kubanischen Präsidentschaft. Ein kubanischer Revolutionsführer, der nicht Castro heisst? Für die grosse Mehrheit der Kubaner ist diese Vorstellung unvorstellbar. Die Castro-Brüder regieren auf der Karibikinsel seit 1959. Alle über 54-Jährigen Inselbewohner kennen nichts anderes als einen Präsidenten Castro.

Der studierte Elektroingenieur Miguel Díaz-Canel kletterte auf der Karriereleiter der kubanischen Kommunistischen Partei nach oben und wurde 2009 zum Bildungsminister ernannt. Bis Ende Februar umgab den kubanischen Politiker eine gewisse Obskurität, über seinen Werdegang und seine Persönlichkeit war nicht sehr viel bekannt. Er ist der erste kubanische Führer, der 1959 nicht als einer der «historicos» mit Fidel Castro gekämpft hat. 1959 war Díaz-Canel noch nicht einmal geboren.

Im Scheinwerferlicht

Doch in den letzten Wochen stand Díaz-Canel permanent im grellen Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Die neue Nummer zwei der kubanischen Regierung wurde zu einem Hoffnungsträger, zu einem Fackelträger einer neuen Generation und zu einer Art «kubanischem Gorbatschow» hinaufstilisiert. Nach dem Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez kondolierten Anfang März weder Fidel noch Raúl Castro im Namen Kubas – es war Díaz-Canel. Wenig später reiste der Vizepräsident zudem nach Rom, um dem neuen Papst aus Argentinien die Glückwünsche Kubas persönlich zu überbringen. Und als die kubanische Baseballmannschaft mit einem fünften Platz von den Baseball-Weltmeisterschaften zurückkehrte, munterte sie Díaz-Canel am Flughafen auf.

Die Castro-Brüder tun also alles, um dem kubanischen Volk und der Welt ihren neuen Mann als perfekten Nachfolger zu präsentieren. Immerhin gibt es ja auch Castro-Sprösslinge, sechs Söhne aus zwei Ehen und zwei Töchter aus Liebesaffären des bärtigen Revolutionsführers. Doch weder Antonio Castro Soto – der langjährige Vizepräsident des kubanischen Baseballvereins – noch sein ältester Sohn Fidel Castro Díaz-Balart (63), ein Atomphysiker, erheben Anspruch auf eine dynastische Thronfolge. «Fidelito», wie der älteste Sohn auf Kuba genannt wird («kleiner Fidel»), stellte sich letzte Woche in Interviews mit russischen Medien klipp und klar hinter Díaz-Canel. Er beschrieb den neuen Vizepräsidenten als «einen jungen Mann mit Erfahrung und Charisma». Die vier weiteren Söhne aus zweiter Ehe standen bisher nicht in der Öffentlichkeit.

Die beiden unehelichen Töchter kommen als Nachfolgerinnen sowieso nicht infrage: Alina Fernández Revuelta floh 1993 über Spanien in die USA und gilt als eine der schärfsten Kritikerinnen ihres Vaters. Auch Francisca Pupa lebt in den USA.

Technokrat und Reformer

Miguel Díaz-Canel ist ein Technokrat, kein revolutionärer Heisssporn. In der Provinz machte er sich als Chef der ansässigen Kommunistischen Partei einen Namen, indem er Tourismus-Investitionen in Millionenhöhe kompetent betreute. In einem Interview bekräftigte er kürzlich sein Image als Reformer. Er möchte den Privatsektor auf Kuba «ohne Vorurteile» weiterentwickeln. Oppositionelle Blogger auf der Karibikinsel hoffen, dass Díaz-Canel eine Art «kubanischer Gorbatschow» ist, der die von ihnen lange geforderte Perestroika auch auf Kuba einführt.

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