Syrien

IS zwingt Junge zum Wehrdienst

IS-Kämpfer in Syrien (Symbolbild)

IS-Kämpfer in Syrien (Symbolbild)

Nach einer Serie von militärischen Rückschlägen führen die Terrormilizen des Islamischen Staats (IS) die allgemeine Wehrpflicht ein. Junge von 15 bis 25 Jahren müssen kämpfen.

Die Terrormilizen des IS haben offenbar ein Rekrutierungsproblem. Das «Verteidigungsministerium» des IS hat per Dekret die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Danach sind alle Männer im Alter von 15 bis 25 Jahren ab sofort verpflichtet, das Kalifat vor «Ungläubigen und Abtrünnigen» zu beschützen.

Familien, die ihre Söhne vom Wehrdienst befreien wollen, müssen nach einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur Rudaw und der syrischen Website «The Arab Source» 1,5 Millionen irakische Dinare oder 240 000 syrische Pfund bezahlen. Das sind etwas mehr als 1300 Dollar. Mit den Erlösen will der IS die Kriegskassen auffüllen.

In der irakischen Millionenstadt Mossul, der «Kalifats»-Hauptstadt Rakka sowie in der syrischen Provinz Deir Ezzor soll der IS bereits Strassensperren eingerichtet haben, an denen junge Männer angehalten und umgehend in militärische Ausbildungslager gebracht werden.

Zudem seien IS-Milizionäre in Schulen und Universitäten von Mossul eingedrungen, um dort die Studenten zum Wehrdienst zu zwingen. Auf das brutale Vorgehen der Milizen habe die Bevölkerung in einigen Regionen mit bewaffnetem Widerstand reagiert. In ländlichen Gebieten sei es sogar zu schweren Gefechten mit der «Militärpolizei» des IS gekommen.

«Deserteure» erschossen

Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kommt keinesfalls überraschend. Durch die inzwischen gestoppte Expansion hat der IS seine Kräfte überdehnt. Die Terrorgruppe befindet sich an zahlreichen Frontabschnitten in einem verlustreichen Abwehrkampf. Das hat sich auch in der internationalen Dschihadisten-Szene herumgesprochen. Schmerzhafte Verluste werden den Dschihadisten auch von der US-geführten Koalition zugefügt.

Wegen des hohen Blutzolls und der schlechten Behandlung durch ihre Vorgesetzten versuchen vor allem europäische Dschihadisten inzwischen, das «Kalifat» zu verlassen. Der IS reagierte auf die versuchte Flucht der Abtrünnigen mit Massenerschiessungen und anderen Strafmassnahmen. Von den Sicherheitsdiensten als «verdächtig» eingestufte Kämpfer wurden an die Front geschickt und dort von hinten erschossen.

Ob die allgemeine Wehrpflicht die Kampfkraft des IS stärken wird, ist fraglich. Die kurdische Agentur Rudaw weist darauf hin, dass die Zwangsverpflichteten nicht die Ansichten des IS teilen und daher bei erstbester Gelegenheit das Weite suchen werden.

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