Die Kämpfer des so genannten Islamischen Staats bereiten sich nach Berichten von Aktivisten auf den Ernstfall vor. In Erwartung westlicher Luftangriffe auf ihre Hochburgen in Syrien wurden sämtliche Verwaltungsgebäude in Rakka, der «Hauptstadt» des «Kalifats», geräumt. Schweres Militärgerät sei im Schutze der Dunkelheit in kleinere Dörfer gebracht worden. Auf dem Land sollen sich auch hohe Funktionäre mit ihren Familien verstecken. «Viele Strassen sind wie leergefegt und die Menschen haben Angst», zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Einwohner in Ostsyrien, wo eine gespenstige Ruhe herrsche.

Etwa fünf Millionen Menschen leben in den vom IS kontrollierten Gebieten in Syrien und im Irak. Besonders in Syrien soll es den Dschihadisten inzwischen gelungen sein, «die Herzen der Einwohner zu gewinnen», berichtet ein Korrespondent des als seriös geltenden Internetportals «Al Monitor» aus der Stadt al-Bab. Der IS habe dort wieder für Recht und Ordnung gesorgt, was von lokalen Geschäftsleuten sehr geschätzt würde. Al-Bab war vor einem Jahr vom IS erobert worden. Zuvor hätten moderate Rebellen in der Stadt im Osten von Aleppo Chaos verbreitet und die Menschen bestohlen.

Paris verabschiedet Anti-Dschihadisten-Gesetz

Im Kampf gegen die Ausreise von Islamisten nach Syrien und in den Irak hat die französische Nationalversammlung für ein neues Anti-Dschihadisten-Gesetz gestimmt. Der Entwurf für ein Gesetz zum «Kampf gegen den Terrorismus» erhielt eine breite Mehrheit, lediglich die Grünen enthielten sich.

Über den Gesetzestext wurde im Eilverfahren beraten, er kommt Mitte Oktober in den Senat. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem Ausreiseverbote für mutmassliche Islamisten vor, die verdächtigt werden, sich im Ausland an «terroristischen Aktivitäten» beteiligen zu wollen. Konkret sollen Personalausweise und Reisepässe eingezogen werden. Mit dem Straftatbestand eines «individuellen terroristischen Vorhabens» soll auf die Gefahr von alleine agierenden Dschihadisten reagiert werden. Bisher ist im französischen Strafrecht lediglich von einer «kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben» die Rede. (M.W./sda)