Irak

IS hat die Moschee gesprengt, in der er das «Kalifat» gründete

Eine Aufnahme aus der Luft über Mossul soll die grosse Moschee zeigen, deren Minarett der IS offenbar gesprengt hat.

Eine Aufnahme aus der Luft über Mossul soll die grosse Moschee zeigen, deren Minarett der IS offenbar gesprengt hat.

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben nach Angaben der irakischen Armee die symbolträchtige und Jahrhunderte alte grosse Moschee in Mossul gesprengt. Die irakische Regierung sieht in der Zerstörung ein «formales Eingeständnis der Niederlage» der Terrormiliz.

Fast genau drei Jahre sind vergangen, seitdem sich Abu Bakr al-Baghdadi in der Al-Nuri-Moschee von Mossul zum «Kalifen aller Muslime» ausrief und sich erdreistete, von ihnen «Gehorsam» zu verlangen. Es sei die Pflicht der Gläubigen, einen gemeinsamen Führer zu bestimmen, behauptete der Führer des sogenannten «Islamischen Staates» (IS). Im Gegensatz zu den Königen und anderen Herrschern, fügte al-Baghdadi einschränkend hinzu, könne er seinen Gefolgsleuten aber «nicht Luxus, Sicherheit und Entspannung versprechen».

Das symbolträchtige schiefe Minarett wurde zerstört.

Das symbolträchtige schiefe Minarett wurde zerstört.

Seither sorgten die US-geführte Koalition sowie Armeen und Milizen in Syrien und Irak dafür, dass das zunächst bis nach Aleppo im Westen und fast bis nach Bagdad im Süden reichende «Kalifat» auf einen Achtel seiner ursprünglichen Grösse schrumpfte. Vermutlich nur wenige wissen, ob al-Baghdadi überhaupt noch am Leben ist. Nach Informationen des russischen Geheimdienstes könnte der anmassende «Kalif Ibrahim» vor einem Monat bei Bombenangriffen auf das syrische Rakka getötet worden sein. Längst haben die IS-Dschihadisten erkannt, dass sie den Kampf um Mossul verloren haben.

Nun sprengten sie die Nuri-Moschee und ihr in der gesamten islamischen Welt berühmtes schiefes Minarett «al-Hadba», (die Gekrümmte). Fachmännisch angebrachte Sprengsätze innerhalb des Gebäudes liessen die Gebetsstätte wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Dies belegen auch Videoaufnahmen. Dass die Terroristen anschliessend versuchten, der US-Luftwaffe ihr Zerstörungswerk in die Schuhe zu schieben, ist angesichts der unzähligen Gewaltverbrechen der Dschihadistenbande keine Überraschung.

Kampf dürfte noch Wochen dauern

Mit der Sprengung des mehr als 800 Jahre alten Gotteshauses habe die Terrormiliz signalisiert, dass sie den Kampf um die drittgrösste Stadt des Irak verloren gebe, twitterte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi. Die Zerstörung sei das «formale Eingeständnis ihrer Niederlage». Wie viele Terroristen sich noch in der von Regierungstruppen umzingelten Altstadt von Mossul aufhalten, ist nicht bekannt. Der aussichtslose Abwehrkampf könnte sich aber noch über Wochen hinziehen. Bis zu 100'000 Zivilisten soll der IS als menschliche Schutzschilde genommen haben. Es ist zu befürchten, dass bis zur endgültigen Befreiung der Millionenstadt am Tigris noch Hunderte von Unschuldigen ihr Leben verlieren.

Dennoch gibt es auch Hoffnung: In der bereits vor Monaten befreiten Universität im Osten von Mossul haben die Studenten mit ihren Examen begonnen. Bürgerinitiativen hatten die Lehrstätten innerhalb weniger Wochen vom Kriegsschutt befreit und wieder notdürftig hergerichtet. 200 000 Zivilisten, berichtet die Regierung in Bagdad, hätten in den letzten Monaten nach Ost-Mossul zurückkehren können. Mehr als dreimal so viele habe man aus dem noch umkämpften Osten der Grossstadt evakuieren müssen. Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef warnte unterdessen vor der «gezielten Tötung von Kindern» durch den IS. So wolle die Terrormiliz die Flucht ihrer Angehörigen verhindern.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1