Rüstung

Iran zeigt seine Putin-Raketen

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Mit dem neuen Flugabwehrsystem S-300 macht sich Teheran praktisch unangreifbar.

Auf einer Militärparade südlich von Teheran haben die iranischen Streitkräfte gestern erstmals die kürzlich von Russland gelieferten Luftabwehrraketen des Typs S-300 präsentiert. Die Islamische Republik hatte das hochmoderne Flugabwehrsystem bereits vor neun Jahren bestellt. Allerdings setzte Russland die Lieferung auf Drängen des Westens wegen des Konflikts um das iranische Atomprogramm aus. Nach der Aufhebung der Sanktionen, der im letzten Jahr ein historischer Vertrag über die Beschränkung des iranischen Nukleararsenals vorausgegangen war, hatte Wladimir Putin das Exportverbot für die S-300 sistiert.

Und Irans Atomanlagen?

Die Raketen wurden an einer Militärparade anlässlich des Gedenkens an den iranisch-irakischen Krieg (1980–1988) vorgeführt. Nach den Worten von Staatspräsident Hassan Rohani handelt es sich beim Raketensystem um eine «rein defensive Waffe». Kein Nachbarland brauche sich vor der politischen oder militärischen Macht des Irans zu fürchten, behauptete der liberale Geistliche. Die Betroffenen, die arabischen Golfstaaten mit Saudi-Arabien sowie Israel, sehen dies anders. Sie werfen Teheran vor, den gesamten Nahen Osten dominieren zu wollen.

Die russischen Luftabwehrraketen werden nicht dazu beitragen, solche Vorwürfe zu entkräften. Bei den S-300 handelt es sich zwar nicht um Raketen, die bis Riad oder Tel Aviv fliegen können. Lenkwaffen mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometern befinden sich in den Händen der iranischen Revolutionsgardisten. Was die S-300-Raketen aus Sicht der iranischen Gegner so gefährlich macht, ist ihre Treffsicherheit im iranischen Luftraum. Dort können feindliche Kampflugzeuge, Raketen und Marschflugkörper bereits 200 Kilometer vor ihren anvisierten Zielen abgeschossen werden.

Militärexperten gehen davon aus, dass der Iran mit Putins S-300 nahezu unangreifbar wird. Präzisionsschläge gegen iranische Atomanlagen oder Rüstungsfabriken würden jetzt fast unmöglich. Lediglich die Tarnkappen-Bomber der US-Luftwaffe, heisst es, könnten von den S-300 mit ihrer angeblichen Trefferwahrscheinlichkeit von bis zu 95 Prozent nicht erfasst werden.

Rüstungsgeschäfte mit Moskau

Während der Parade wies die iranische Führung darauf hin, dass man künftig unter keinerlei Umständen über eine weitere Abrüstung verhandeln werde. Die «Raketenabschreckung» sei für die Sicherheit des Landes unabdingbar. Dabei wird es vermutlich aber nicht bleiben. Auf den Wunschzetteln iranischer Generäle stehen auch jene hochmodernen Sukhoi-Kampfmaschinen, die sich im Einsatz gegen IS-Terroristen und syrische Rebellen offenbar bewährt haben. Moskauer Zeitungen berichten zudem über ein iranisches Interesse am Anti-Schiff-System Bastion mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern.

12,7 Milliarden Dollar hat der Iran im Jahr 2014 in die Rüstung investiert. Im Vergleich zu Saudi-Arabien, das mehr als 80 Milliarden ausgab, ist dies eher wenig, der Nachholbedarf nach der Aufhebung der Sanktionen entsprechend hoch. Es ist zu vermuten, dass das devisenhungrige Russland die meisten Wünsche Teherans erfüllen wird.

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