Armeesprecher Generalleutnant Kassem Atta bestätigte, dass bei einem gemeinsamen Einsatz kurdischer Milizen und irakischer Regierungstruppen der gesamte Staudamm nördlich der Millionenstadt Mossul zurückerobert worden sei.

Allerdings werde in der Nähe des Staudamms weiter gekämpft. Der Kurdenvertreter Kawa Chatari sagte, Räumkommandos beseitigten Sprengfallen, während weiter im Süden noch gekämpft werde.

Die US-Luftwaffe flog am Sonntag 14 Angriffe auf die Dschihadisten nahe dem Staudamm am Tigris, wie das US-Militärkommando Centcom mitteilte. Dabei seien zehn Militärfahrzeuge, sieben Humvee-Jeeps, zwei gepanzerte Truppentransporter und ein Kontrollposten der IS zerstört worden.

Obama rechtfertigt Einsatz

US-Präsident Barack Obama unterstrich in einem Schreiben an den US-Kongress die Wichtigkeit der amerikanischen Luftangriffe. Der Ausfall des Staudamms könne das Leben von einer Vielzahl von Zivilisten, darunter US-Bürger und die amerikanische Botschaft in Bagdad, gefährden. Der Einsatz sei in Umfang und Dauer begrenzt.

IS-Extremisten, die im Irak und im benachbarten Syrien seit Monaten vormarschieren, hatten den Damm rund 40 Kilometer nördlich der von ihnen beherrschten Millionenstadt Mossul Anfang August eingenommen. Das in den 1980er Jahren errichtete Bauwerk spielt für die Trinkwasser- und Stromversorgung eine grosse Rolle, gilt allerdings als akut einsturzgefährdet.

Briten wollen sich stärker engagieren

Auch Grossbritannien will sein Engagement im Irak verstärken. Premier David Cameron schrieb in einem Beitrag für den "Sunday Telegraph", ein militärisches Eingreifen sei angesichts der Bedrohung Grossbritanniens und Europas durch den IS gerechtfertigt. Allerdings werde Grossbritannien keine Bodentruppen in den Irak schicken, sagte Cameron.

In Berlin war die Frage von Waffenlieferungen an die Kurden im Norden Iraks immer noch offen. Allerdings beginnt Deutschland in der kommenden Woche mit der Lieferung militärischer Ausrüstung an die kurdischen Kräfte im Nordirak, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums ankündigte.

Im Gespräch sind Fahrzeuge, Schutzwesten, Helme oder Nachtsichtbrillen. Zudem setzt Deutschland den Transport humanitärer Hilfsgüter fort.

Schwierige Lage für Flüchtlinge

Unterdessen entspannte sich die Flüchtlingskrise im Nordirak etwas. Derzeit erreichten täglich rund 500 Vertriebene die kurdischen Autonomiegebiete, sagte der Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Ned Colt, der Nachrichtenagentur dpa.

In der vergangenen Woche seien es noch mehrere tausend Menschen am Tag gewesen. Die Flüchtlinge lebten aber immer noch in einer schwierigen Lage. Nach der Flucht vor dem IS seien viele traumatisiert.

Laut UNHCR haben insgesamt rund 600'000 vertriebene Iraker in den kurdischen Autonomiegebieten Zuflucht gefunden. Allein seit Anfang August flohen demnach rund 200'000 Menschen aus der Sindschar-Region, nachdem die IS-Extremisten dort grosse Gebiete eingenommen hatten. Bei den Flüchtlingen handelt es sich vor allem um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.

Kurden wollen sich an Regierung beteiligen

Abgesandte der kurdischen Verwaltung aus dem autonomen Gebiet im Nordirak wollen sich nach Angaben von Aussenminister Hoschjar Sebari an den Verhandlungen zur Bildung einer neuen irakischen Regierung beteiligen.

Der scheidende Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte sich mit den Kurden im Streit um Haushaltsmittel und Öl überworfen. Der Schiit Maliki soll mit der Benachteiligung von Sunniten erst die militärischen Erfolge des ebenfalls sunnitischen IS ermöglicht haben.