Bis zum frühen Morgen lag die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer laut italienischer Nachrichtenagentur Ansa bei 31. Unter den Opfern seien auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und 13 Jahren. Die Einsatzkräfte hatten am Dienstag bereits von mindestens 35 Todesopfern gesprochen.

Am Dienstagmittag war während eines schweren Unwetters der Polcevera-Viadukt - auch Morandi-Brücke genannt - auf der Autobahn A10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. Um die 30 Fahrzeuge waren zu der Zeit auf der Brücke unterwegs: Autos wurden in die Tiefe gerissen, Lastwagen stürzten in den Fluss Polcevera.

Bilder des verheerenden Brückeneinsturzes in Genua:

Wichtige Verkehrsader

Die A10 ist nicht nur die berühmte Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori", sondern auch eine wichtige Verbindungsstrasse nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Innenminister Matteo Salvini machte am Dienstagabend die mangelnde Instandhaltung der Brücke für das Unglück verantwortlich. Die Verantwortlichen müssten für das Desaster bezahlen, "alles bezahlen, teuer bezahlen", erklärte er.

Drama in Genua: Nun rückt die Frage nach der Ursache in den Fokus

Drama in Genua – nun rückt die Frage nach der Ursache in den Fokus

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua suchen Rettungskräfte nach wie vor nach Überlebenden. 31 Tote sind bestätigt, darunter Kinder. Rettungskräfte suchten die ganze Nacht nach Überlebenden.

Der frühere Verkehrsminister Graziano Delrio sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, es sei respektlos gegenüber den Opfern, politische Spekulationen aufzuwerfen.

Die Brücken-Katastrophe lässt in Italien die Alarmglocken schrillen. Laut der Tageszeitung "La Repubblica" sind um die 300 Brücken und Tunnel marode. Grund dafür seien die veraltete Infrastruktur und die lückenhafte Instandhaltung.

Kritik gab es an dem nun eingestürzten Polcevera-Viadukt wegen hoher Baukosten schon seit seiner Erbauung. Doch auch kostspielige Renovierungen sorgten immer wieder für Diskussionen. Die Brücke, die im Westen von Genua unter anderem über Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet führt, hat eine Gesamtlänge von 1182 Metern. Zum Zeitpunkt der Tragödie waren laut Betreibergesellschaft Autostrade per Italia Bauarbeiten im Gange.

Brücken-Tragödie: Hier sucht die Feuerwehr nach Überlebenden

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Nach dem Brückeneinsturz in Genua hat die Feuerwehr eindrückliches Videomaterial der Suche nach Überlebenden veröffentlicht.

Viele Obdachlose

Nach dem Unglück waren mehr als 300 offizielle Rettungskräfte im Einsatz. In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude geräumt. Mehr als 400 Menschen seien obdachlos, erklärte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi. Ihm zufolge wird der Einsturz weitreichende Konsequenzen haben, da die Brücke komplett abgerissen werden müsse. Das werde "schwerwiegende Auswirkungen" auf den Verkehr haben und so Probleme für Bürger und Unternehmen bringen.

Genua: Hier stürzt die Autobahnbrücke ein

Genua: erste Bilder vom Brückeneinsturz

"Die Hoffnung stirbt nie. Wir haben bereits ein Dutzend Menschen aus den Trümmern gerettet", sagte ein Vertreter der Feuerwehr der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht auf Mittwoch. Er kündigte an, die Helfer blieben "rund um die Uhr" im Einsatz.