Am Abend (Ortszeit) war die Stromversorgung erst teilweise wieder hergestellt. Nach Regierungsangaben fielen gegen 13.00 Uhr Ortszeit (09.30 Uhr MESZ) die Netze im Norden, Nordosten und Osten des Landes aus. Indische Medien berichteten, in 19 der 35 indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien - darunter auch in der Hauptstadt Neu Delhi - habe es stundenlang keine Elektrizität gegeben.

Für den Norden war es nach Montag der zweite Ausfall in Folge. Der Blackout warf ein Licht auf die veraltete Infrastruktur der Versorgungsnetze und den wachsenden Energiehunger der aufstrebenden Wirtschaftsnation Indien. Bislang ist es der Regierung nicht gelungen, das Stromangebot der steigenden Nachfrage anzupassen.

Energieminister Sushil Kumar Shinde machte für den jüngsten Stromausfall Unionsstaaten verantwortlich, die mehr als die ihnen zustehende Menge an Elektrizität abgefragt hätten.

"Alle ziehen zu viel aus dem Netz. Ich habe mich mit Vertretern der regionalen Energieversorger getroffen und angeordnet, dass jene bestraft werden sollen, die ihren Anteil überzogen haben", sagte Shinde am Dienstag. "Ihre Zuteilung könnte gekürzt worden."

Erneut kollabiert

Bereits am Montag war das Stromnetz im Norden des Landes zusammengebrochen. Nachdem die Versorgung kurzzeitig wieder hergestellt worden war, sei das Netz am Dienstag erneut kollabiert, sagte Shailendre Dubey vom Energieversorger in Indiens grösstem Unionsstaat Uttar Pradesh. Kurz darauf brachen auch im Osten und im Nordosten des Landes die Netze zusammen.

Im Norden und Osten des Landes blieben Hunderte Züge liegen, ausgefallene Ampeln in der Hauptstadt Neu-Delhi lösten ein Verkehrschaos aus. In Westbengalen blieben Expresszüge und Regionalbahnen liegen, an den Bahnhöfen sammelten sich grosse Menschenmengen. Landesweit blieben 400 Züge mitten auf der Strecke stecken.

In Neu-Delhi brach wegen des Stromausfalls das Metro-Netz zusammen. Täglich nutzen rund 1,8 Millionen Menschen die U-Bahn der Hauptstadt. Die Polizei evakuierte unter anderem die wichtige Station Rajiv Chowk und sperrte den Bahnhof.

Alles steht still

Spitäler, Geschäfte und Büros mussten Notfallgeneratoren anstellen. Der internationale Flughafen wurde ebenfalls von Generatoren versorgt. Auch die grossen Industriewerke stiegen auf Diesel um. In Zechen in Westbengalen wurden Bergleute in ihren Gruben eingeschlossen. Lebensgefahr bestehe aber nicht, teilten die Betreiber mit.

Die drittgrösste Volkswirtschaft Asiens leidet unter chronischem Strommangel. In Spitzenzeiten fehlen rund zehn Prozent. Verschärft wurde die Situation in diesem Sommer durch schwache Monsunregen in den Agrarstaaten Punjab und Uttar Pradesh. Viele Bauern warfen elektrische Pumpen an, um Wasser aus den Brunnen holen.